Fersensporn und Plantarfasziitis

Der erste Schritt morgens aus dem Bett tut weh, stechend, unter der Ferse. Nach ein paar Minuten wird es besser. Am Abend, nach einem langen Tag auf den Beinen, kommt es zurück.

Das ist das typische Bild einer Plantarfasziitis – einer Reizung der Sehnenplatte, die unter Ihrem Fußgewölbe verläuft. Meistens wird sie „Fersensporn” genannt. Dieser Name ist der Grund für ein hartnäckiges Missverständnis.

Der Sporn ist selten der Schuldige

Etwa die Hälfte der Menschen mit diesen Beschwerden hat auf dem Röntgenbild auch einen Knochensporn am Fersenbein. Nur ist er nicht die Ursache. Er ist eine Folge derselben jahrelangen Zugbelastung, die auch die Sehnenplatte gereizt hat – und er findet sich ebenso bei Menschen, die nie Fersenschmerzen hatten.

Das ist keine akademische Unterscheidung. Wer glaubt, ein spitzer Knochen bohre sich in seine Fußsohle, sucht nach einer Möglichkeit, ihn zu entfernen. Wer versteht, dass eine überlastete Sehnenplatte schmerzt, behandelt das, was tatsächlich weh tut – und das geht ohne Operation.

Woran man es erkennt

Der Schmerz sitzt an der Innenseite der Ferse, dort wo die Sehnenplatte am Knochen ansetzt. Charakteristisch ist der Anlaufschmerz: nach Ruhe am schlimmsten, nach einigen Schritten besser, nach langer Belastung wieder schlechter. Barfußlaufen auf hartem Boden ist unangenehm, das Dehnen der Wade zieht.

Wir tasten den Ansatz, prüfen die Beweglichkeit im Sprunggelenk und die Länge der Wadenmuskulatur – eine verkürzte Wade ist einer der häufigsten Mitverursacher. Ein Bild brauchen wir dafür meist nicht.

Wie es meistens ausgeht

Rund drei von vier Fällen klingen innerhalb von zwölf Monaten ab. Das ist die gute und die schlechte Nachricht zugleich: Es geht in aller Regel vorbei, aber zwölf Monate sind eine lange Zeit, wenn jeder Morgen damit anfängt.

Das Ziel einer Behandlung ist deshalb nicht in erster Linie, ein Ende herbeizuführen, das ohnehin kommt. Es ist, diese Zeit zu verkürzen und erträglich zu machen – und zu verhindern, dass aus Schonung eine schwächere Sehnenplatte und ein zäherer Verlauf wird.

Was zuerst dran ist

Dehnung der Wadenmuskulatur und der Sehnenplatte selbst, mehrmals täglich. Eine Einlage, die das Fußgewölbe stützt und die Ferse dämpft. Schuhe mit fester Sohle, kein längeres Barfußlaufen auf Fliesen. Bei starkem Anlaufschmerz eine Nachtlagerungsschiene, die den Fuß über Nacht in leichter Dehnung hält.

Und dann das, was den Unterschied macht: Belastungsübungen, die die Sehnenplatte allmählich wieder belastbar machen. Das folgt denselben Regeln wie jede Sehnenbehandlung – Belastung statt Schonung, Steuerung über das Ampelschema, Geduld über Monate.

→ Sehnenschmerz: warum Sehnen anders heilen und wie man richtig trainiert

Stoßwellentherapie

Wenn die Beschwerden bleiben, ist die Stoßwellentherapie das Verfahren mit der besten Grundlage. Eine Meta-Analyse über elf randomisierte Studien mit 1.081 Patienten fand eine Schmerzreduktion um knapp drei Punkte auf der zehnstufigen Skala gegenüber der Scheinbehandlung – ein Effekt, den kaum eine andere Zusatzbehandlung bei diesem Beschwerdebild erreicht. Höhere Energien wirkten dabei besser. An Nebenwirkungen traten im Wesentlichen vorübergehende Rötungen und kleine Blutergüsse auf.

Beim Fersensporn ist die Stoßwellentherapie unter bestimmten Voraussetzungen eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen – das ist bei diesem Verfahren die Ausnahme und gilt gerade für dieses Beschwerdebild.

→ Mehr über die Stoßwellentherapie: Ablauf, Kosten und wann sie sinnvoll ist

Wenn auch das nicht reicht

Dann kommen Injektionen mit körpereigenem Blutplasma infrage, deren Studienlage uneinheitlich ist, und in ausgewählten Fällen Botulinumtoxin, für das bei der chronischen Plantarfasziitis kleinere randomisierte Studien vorliegen. Beides sind Selbstzahlerleistungen, beides schlagen wir erst vor, wenn das Naheliegende ausgeschöpft ist, und beides nie ohne begleitendes Training.

Eine Kortisonspritze an die Sehnenplatte lindert kurzfristig gut. Sie kann die Sehnenplatte allerdings schwächen und im ungünstigen Fall einen Riss begünstigen. Wir setzen sie deshalb zurückhaltend ein und sagen Ihnen warum, statt es einfach nicht anzubieten.

→ Unsere Haltung zu Selbstzahlerleistungen

Wenn etwas anderes dahintersteckt

Nicht jeder Fersenschmerz ist eine Plantarfasziitis. Ein Schmerz, der nachts wehtut, in Ruhe nicht nachlässt, mit Schwellung einhergeht oder von Taubheit begleitet wird, passt nicht ins Bild. Dann denken wir an eine Einklemmung eines kleinen Nervs an der Innenseite der Ferse, an einen Ermüdungsbruch des Fersenbeins, an eine Reizung der Achillessehne von hinten oder an eine entzündlich-rheumatische Ursache – gerade wenn beide Fersen betroffen sind oder Sie jünger als vierzig sind.

Deshalb steht am Anfang eine Untersuchung und nicht sofort eine Behandlung.

Häufige Fragen

Muss der Sporn operiert werden?

Fast nie. Eine Operation kommt erst nach vielen Monaten erfolgloser nicht-operativer Behandlung in Betracht, und sie richtet sich dann gegen die Sehnenplatte, nicht gegen den Sporn.

Soll ich mich schonen?

Nein, außer kurz in der akuten Phase. Die Sehnenplatte braucht dosierte Belastung, um wieder belastbar zu werden.

Helfen Einlagen dauerhaft?

Sie helfen, solange die Sehnenplatte gereizt ist, und nehmen Druck von der schmerzhaften Stelle. Sie machen die Sehnenplatte aber nicht stärker – das tut nur Training.

Warum tut es morgens am meisten weh?

Über Nacht steht der Fuß in Spitzfußstellung, die Sehnenplatte verkürzt sich leicht und die kleinen Reparaturvorgänge des Vortages werden beim ersten Schritt wieder aufgerissen. Genau dagegen wirkt eine Nachtschiene.

Ich laufe gern. Muss ich aufhören?

Meist nicht ganz. Umfang und Untergrund werden für eine Zeit angepasst, und wir steuern die Belastung über das Ampelschema. Vollständiges Aufhören wäre der Beginn des Teufelskreises.

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