Osteoporose

Osteoporose

Osteoporose tut nicht weh. Das ist ihr eigentliches Problem: Sie entwickelt sich über Jahre unbemerkt, und die erste Mitteilung ist häufig ein Knochenbruch, der bei diesem Anlass nicht hätte passieren dürfen – ein Sturz aus dem Stand, ein Stolpern, manchmal nur eine ungünstige Bewegung.

Genau deshalb lohnt es sich, bei einem entsprechenden Risikoprofil nachzusehen, bevor etwas passiert.

Was dabei geschieht

Die Festigkeit eines Knochens hängt von zwei Dingen ab: von der Knochendichte und von der inneren Struktur. Beides nimmt im Laufe des Lebens ab – das ist normaler Alterungsvorgang. Von Osteoporose spricht man, wenn diese Abnahme über das übliche Maß hinausgeht und der Knochen dadurch bruchanfällig wird.

Der Knochen ist dabei kein totes Gerüst. Er wird ständig ab- und wieder aufgebaut, und was dieses Gleichgewicht verschiebt, verschiebt auch die Knochenfestigkeit. Das ist die gute Nachricht an einer Erkrankung, die zunächst bedrohlich klingt: Es lässt sich etwas tun.

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Die hormonelle Umstellung nach den Wechseljahren ist der häufigste Auslöser – etwa jede dritte Frau entwickelt danach eine Osteoporose. Dazu kommen eine familiäre Veranlagung, bestimmte Erkrankungen und einige Medikamente, allen voran Kortison über längere Zeit sowie Magensäureblocker.

Und dann gibt es die Gruppe, die sich beeinflussen lässt: Bewegungsmangel, Rauchen, Alkohol, Untergewicht, einseitige Ernährung und ein Mangel an Vitamin D.

Wann eine Untersuchung sinnvoll ist

Die aktuelle Leitlinie des Dachverbands Osteologie arbeitet nicht mehr mit starren Altersgrenzen, sondern mit einer Risikoeinschätzung: Eine Basisdiagnostik ist angezeigt, wenn eine Kombination von Risikofaktoren vorliegt, die das Bruchrisiko relevant erhöht. Ab dem 70. Lebensjahr soll sie grundsätzlich angeboten werden. Auch jüngere Menschen kommen in Betracht, wenn starke oder nicht rückgängig zu machende Risikofaktoren bestehen – eine längere Kortisontherapie etwa.

Zur Basisdiagnostik gehören eine Laboruntersuchung, die Knochendichtemessung und, je nach Befund, ein Bild der Wirbelsäule.

Was die Krankenkasse zahlt. Die Knochendichtemessung ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen, wenn aufgrund konkreter Befunde die Absicht besteht, eine Osteoporose medikamentös zu behandeln – das ist seit 2014 so und war vorher an einen bereits eingetretenen Bruch geknüpft. Bei gesicherter Osteoporose wird sie in der Regel alle fünf Jahre übernommen. Als reine Vorsorgeuntersuchung ohne Anhaltspunkte bleibt sie eine Selbstzahlerleistung.

Die Basistherapie

Sie ist bei der Osteoporose nicht das Vorprogramm, sondern die Grundlage. Medikamente allein bringen häufig nicht das gewünschte Ergebnis.

Kalzium und Vitamin D

Rund 1.000 Milligramm Kalzium täglich, möglichst über die Ernährung. Wie viel Sie darüber bereits aufnehmen, lässt sich mit einem Kalziumrechner abschätzen – der des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen ist kostenlos und dauert zwei Minuten. Erst wenn die Ernährung nicht ausreicht, ist eine Ergänzung sinnvoll.

Für Vitamin D genügt meist ein täglicher Aufenthalt im Freien von etwa einer halben Stunde. Führt das nicht zu ausreichenden Werten im Blut, ergänzen wir es.

Training – auch mit Gewichten

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt mindestens 150 Minuten Bewegung mittlerer Intensität pro Woche. Für den Knochen entscheidend ist aber etwas anderes: Er braucht einen kräftigen Reiz, um erhalten und aufgebaut zu werden, und den liefert nur Krafttraining – zweimal pro Woche.

Das klingt bei einer Erkrankung, die Knochen brüchig macht, zunächst widersinnig, und viele Patientinnen haben Bedenken. In Untersuchungen konnten Frauen mit verminderter Knochendichte durch ein überwachtes, hochintensives Kraft- und Stoßtraining jedoch messbar Knochendichte aufbauen, ohne dass es dabei zu vermehrten Brüchen kam.

Dazu gehört ein Gleichgewichts- und Koordinationstraining. Denn Brüche entstehen bei Osteoporose fast immer im Zusammenhang mit einem Sturz – und ein Sturz, der nicht passiert, ist die wirksamste Bruchvorbeugung überhaupt.

Risikofaktoren und Stolperfallen

Rauchen und Alkohol reduzieren, Untergewicht ausgleichen, Ernährung anpassen. Und die Wohnung durchsehen: lose Teppiche, fehlende Handläufe, schlechte Beleuchtung im Flur, ungeeignete Hausschuhe. Das ist unspektakulär und verhindert mehr Brüche als manches Medikament.

Medikamente

Je nach Risiko und Ursache kommt eine gezielte medikamentöse Behandlung hinzu. Es gibt Mittel, die den weiteren Knochenverlust bremsen – dazu gehören die Bisphosphonate wie Alendronat oder Zoledronat sowie Denosumab. Daneben gibt es Wirkstoffe, die vor allem den Aufbau fördern; sie kommen in besonderen Situationen zum Einsatz.

Welches Medikament infrage kommt, hängt vom errechneten Bruchrisiko, von Begleiterkrankungen und von der Verträglichkeit ab. Wichtig ist bei allen: Sie ersetzen die Basistherapie nicht, sie ergänzen sie.

Wenn ein Knochen bricht

Brüche der Wirbelkörper bleiben oft unbemerkt. Hinweise darauf sind ein Verlust an Körpergröße von mehreren Zentimetern, ein zunehmender Rundrücken und Rückenschmerzen, die ohne erkennbaren Anlass begonnen haben.

Bitte lassen Sie sich rasch untersuchen, wenn nach einem Sturz – auch einem harmlosen – Rückenschmerzen auftreten, oder wenn Rückenschmerzen unter einer längeren Kortisontherapie neu entstehen.

→ Rückenschmerzen

Häufige Fragen

Ich habe Osteoporose. Darf ich noch Sport treiben?

Nicht nur dürfen – sollten. Entscheidend ist die Anleitung: Die Übungen werden aufgebaut und überwacht, und Bewegungen mit starker Rumpfbeugung und Drehung unter Last werden vermieden.

Brauche ich Kalziumtabletten?

Nur, wenn die Ernährung nicht genug liefert. Zusätzliches Kalzium über den Bedarf hinaus bringt keinen weiteren Nutzen und ist für die Blutgefäße eher ungünstig.

Wie lange muss ich die Medikamente nehmen?

Das ist eine Frage, die regelmäßig neu beantwortet wird. Bei einigen Präparaten wird nach mehreren Jahren geprüft, ob eine Pause vertretbar ist; bei anderen darf nicht einfach abgesetzt werden, weil der gewonnene Knochen sonst rasch wieder verloren geht. Besprechen Sie das Absetzen deshalb immer mit uns.

Kann man Osteoporose rückgängig machen?

Vollständig nicht. Aber die Knochendichte lässt sich verbessern und – wichtiger noch – das Bruchrisiko deutlich senken. Darum geht es.

Ich nehme seit Jahren Magenschutztabletten. Ist das ein Problem?

Es gehört in die Risikoeinschätzung. Ob die Einnahme weiterhin nötig ist, besprechen Sie am besten mit dem Arzt, der sie verordnet hat.

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