Rückenschmerzen
Rückenschmerzen sind selten ein Problem mit einer Ursache. Meistens wirken mehrere Dinge zusammen, und wenn man sie behandeln will, muss man zuerst wissen, welches gerade das führende ist. Genau das ist der Teil, der im Alltag am häufigsten übersprungen wird – und der Grund, warum viele Behandlungen nicht wirken.
Diese Seite beschreibt, woher Rückenschmerz kommen kann, was ein Bild dazu beitragen kann und was nicht, und wie wir vorgehen.
Wann Sie nicht abwarten dürfen
Einige Zeichen sprechen dafür, dass hinter dem Rückenschmerz etwas steckt, das keine Zeit lässt. Bitte lassen Sie sich rasch untersuchen – bei den ersten beiden Punkten noch am selben Tag in einer Notaufnahme:
Kontrollverlust über Blase oder Darm, ein Taubheitsgefühl im Bereich von Damm, Gesäß und Oberschenkelinnenseiten, oder eine rasch zunehmende Schwäche in einem Bein.
Fieber oder Schüttelfrost zusammen mit Rückenschmerz.
Ein Sturz oder Unfall, oder auch ein harmloser Anlass, wenn Sie eine Osteoporose haben oder länger Kortison einnehmen.
Schmerz, der nachts am schlimmsten ist und in Ruhe nicht nachlässt, ungewollter Gewichtsverlust, oder eine frühere Tumorerkrankung.
Beschwerden, die vor dem 45. Lebensjahr schleichend begonnen haben, mit Morgensteifigkeit, und die sich durch Bewegung bessern statt zu verschlechtern – das kann für eine entzündliche Erkrankung der Wirbelsäule sprechen.
Drei Gruppen von Ursachen
Was man auf einem Bild sieht
Dazu gehören Verschleißerscheinungen an den kleinen Wirbelgelenken, an den Bandscheiben und an den Wirbelkörpern, außerdem Bandscheibenvorfall, Verengung des Wirbelkanals und Wirbelgleiten.
Der entscheidende Punkt: Ein großer Teil dieser Veränderungen ist normal und altersabhängig und verursacht keine Schmerzen. In einer Untersuchung an Menschen ohne jede Beschwerde fand sich bei 30 Prozent der Zwanzigjährigen ein Bandscheibenvorfall, bei 84 Prozent der Achtzigjährigen eine Bandscheibenvorwölbung. Ein Befund auf dem Bild ist deshalb nie für sich genommen die Erklärung. Er wird es erst, wenn er zu dem passt, was die Untersuchung zeigt.
Was man auf keinem Bild sieht
Die zweite Gruppe ist die häufigste und auf keiner Aufnahme zu erkennen: eine gestörte Arbeitsweise der beweglichen Teile. Gelenke, Muskeln, Sehnen, Bänder und Faszien melden sich mit Schmerz, wenn sie durch Trainingsmangel zu schwach geworden sind – oder wenn sie durch einseitige Belastung ohne Erholung dauernd überfordert werden.
Einzelne solche Störungen kennt man als Triggerpunkte in der Muskulatur oder als Blockierung eines Gelenks, etwa des Kreuz-Darmbein-Gelenks oder eines Wirbelgelenks. Häufiger noch ist das Zusammenspiel über eine ganze Kette gestört – ein Verkettungssyndrom, und einer der häufigsten Gründe für Beschwerden, die immer wiederkommen.
Diese Gruppe findet man nicht mit Technik, sondern mit den Händen.
→ Mehr über die Manuelle Therapie: Techniken, Ablauf und Grenzen
Das Schmerzsystem selbst
Es gibt zwei Arten von Schmerz. Die eine entsteht, wenn Gewebe verletzt wird und die Gefahrenmelder in Haut, Muskeln oder Knochen anschlagen. Die andere entsteht, wenn sich über die Zeit ein Schmerzgedächtnis gebildet hat: Das Gehirn hat gelernt, wo Gefahr drohte, und schlägt nun Alarm, lange bevor überhaupt ein Schaden eintritt.
Dieser zweite Schmerz fühlt sich genauso an wie der erste. Er ist nicht eingebildet und nicht psychisch – er ist ein Schutzsystem, das zu empfindlich geworden ist. Er spricht aber auf die üblichen Behandlungen schlechter an und braucht ein anderes Vorgehen.
Warum wir nicht gleich ein Bild machen
Die Nationale VersorgungsLeitlinie ist an dieser Stelle ungewöhnlich deutlich: Bei akuten und wiederkehrenden Kreuzschmerzen soll ohne Hinweis auf einen gefährlichen Verlauf keine Bildgebung erfolgen. Erst wenn die Beschwerden nach vier bis sechs Wochen trotz richtiger Behandlung anhalten oder zunehmen, wird die Frage neu gestellt. Und eine Wiederholung ohne Änderung des Beschwerdebilds soll gar nicht stattfinden.
Das klingt nach Sparmaßnahme, ist aber das Gegenteil. Ein Bild, das Befunde zeigt, die fast jeder in diesem Alter hat, lenkt die Behandlung auf ein Ziel, das gar nicht der Grund für den Schmerz ist – und es macht Angst, die ihrerseits den Verlauf verschlechtert. Deshalb steht am Anfang die Untersuchung, und das Bild kommt, wenn es eine Frage gibt, die es beantworten kann.
Was hilft
Die Behandlung mit der stärksten Empfehlung ist keine Spritze und kein Gerät, sondern angeleitete Bewegungstherapie in Verbindung mit Aufklärung – bei anhaltenden Beschwerden eine starke Empfehlung der Leitlinie. Alles Weitere ordnet sich dem unter.
Bettruhe gehört ausdrücklich nicht dazu. Sie verschlechtert den Verlauf. Bleiben Sie so weit in Bewegung, wie es der Schmerz erlaubt, und nehmen Sie in der akuten Phase ein Schmerzmittel, damit das möglich ist.
Wärme kann im Rahmen des Selbstmanagements begleitend helfen, Massage bei länger bestehenden Beschwerden in Kombination mit aktivierenden Maßnahmen. Von Kinesio-Tape rät die Leitlinie bei nicht-spezifischem Kreuzschmerz ausdrücklich ab – auch das sagen wir Ihnen, obwohl wir Tapes anbieten.
Wo eine Funktionsstörung im Vordergrund steht, behandeln wir mit den Händen. Wo eine Nervenwurzel gereizt ist, kommt eine gezielte Injektion infrage. Und für die Bewegungstherapie gibt es Programme, die Ihre Krankenkasse vollständig trägt.
Häufige Fragen
Ich habe Verschleiß an der Wirbelsäule. Ist das die Ursache?
Meistens nicht allein. Verschleiß gehört zum Älterwerden wie graue Haare und findet sich bei sehr vielen Menschen ohne Beschwerden. Er wird erst dann zur Erklärung, wenn er deutlich über das altersübliche Maß hinausgeht und zum Untersuchungsbefund passt.
Soll ich mich schonen?
Nein. Kurze Entlastung in der akuten Phase ist in Ordnung, Bettruhe verschlechtert den Verlauf. Bewegung ist bei der Bandscheibe wörtlich die Ernährung.
Brauche ich ein MRT?
Nur, wenn es die Behandlung ändert. Bei Warnzeichen sofort, bei anhaltenden Beschwerden nach vier bis sechs Wochen – am Anfang eines typischen Verlaufs meist nicht.
Warum kommen meine Rückenschmerzen immer wieder?
Das ist typisch für eine Funktionsstörung, die behandelt, aber nicht beseitigt wurde. Wenn eine ganze Kette aus Gelenken und Muskeln gestört ist, verschiebt eine einzelne Behandlung das Problem nur. Was hilft, ist die Kette zu finden und die schwachen Glieder zu kräftigen.
Hilft eine Spritze?
Wenn eine Nervenwurzel gereizt ist, oft sehr gut. Bei unspezifischem Kreuzschmerz ohne Nervenbeteiligung ist sie selten die Antwort.
