Tennisellenbogen und Golferellenbogen
Die meisten Menschen, die mit einem Tennisellenbogen zu uns kommen, haben nie Tennis gespielt. Der Name führt in die Irre, und der medizinische Name führt noch weiter in die Irre – dazu gleich.
Es handelt sich um eine Reizung des Sehnenansatzes am Ellenbogen: außen bei den Strecksehnen des Unterarms, das ist der Tennisellenbogen; innen bei den Beugesehnen, das ist der Golferellenbogen. Ausgelöst wird sie durch alles, was den Unterarm wiederholt beansprucht – Handwerk, Gartenarbeit, Tastatur und Maus, Tragen, Schrauben.
Keine Entzündung, sondern Umbau
Die Endung „-itis” in Epikondylitis bedeutet Entzündung, und genau das ist es nicht. Gewebeuntersuchungen zeigen keine Entzündungszellen, sondern einen Umbau der Sehne: ungeordnete Fasern, eingewachsene Gefäße und Nervenendigungen, verringerte Belastbarkeit.
Das klingt nach Wortklauberei, hat aber unmittelbare Folgen. Wenn keine Entzündung vorliegt, ist auch nichts da, was ein entzündungshemmendes Medikament dauerhaft beheben könnte. Was hilft, ist etwas anderes.
Woran man es erkennt
Der Schmerz sitzt am Knochenvorsprung an der Außenseite des Ellenbogens und zieht in den Unterarm. Er tritt auf beim Zugreifen, beim Anheben eines Gegenstands mit gestrecktem Arm, beim Drehen eines Türgriffs, beim Aufheben einer vollen Tasse. Die Griffkraft lässt nach, manchmal fällt einem etwas aus der Hand.
Wir tasten den Ansatz, prüfen die Kraft gegen Widerstand und sehen uns die Halswirbelsäule und die Schulter mit an – von dort kommt ein Teil der Beschwerden, die am Ellenbogen ankommen. Ein Bild ist dafür meist nicht nötig.
Wie es meistens ausgeht
Die Beschwerden sind hartnäckig, aber sie sind nicht dauerhaft. Der überwiegende Teil klingt im Lauf von Monaten bis etwa einem Jahr ab, auch ohne Eingriff. Die Frage ist deshalb selten, ob es besser wird – sondern wie lange es dauert und ob man in der Zwischenzeit etwas tut, das den Verlauf verschlechtert.
Warum wir mit Kortison zurückhaltend sind
Eine Kortisonspritze an den Sehnenansatz wirkt schnell und gut. Nach einigen Wochen sind die Beschwerden meist deutlich besser. Das ist der Grund, warum sie so häufig gegeben wird.
Eine australische Studie mit 165 Patienten hat nachgesehen, wie es nach einem Jahr aussieht. Vollständig beschwerdefrei waren in der Kortisongruppe 83 Prozent – in der Gruppe mit einer Scheinbehandlung 96 Prozent. Und bei den Rückfällen war der Abstand noch deutlicher: 54 Prozent nach Kortison gegenüber 12 Prozent ohne. Am besten schnitten die Patienten ab, die keine Spritze, aber Physiotherapie erhielten: vollständige Besserung bei allen, Rückfälle bei knapp fünf Prozent.
Das ist die unangenehmste Zahlenreihe, die ich Ihnen auf diesen Seiten zeige, und sie beschreibt eine Behandlung, die täglich tausendfach gegeben wird. Wir setzen Kortison am Ellenbogen deshalb nur in begründeten Ausnahmen ein – und sagen Ihnen dann, worauf Sie sich einlassen, statt die Spritze als schnelle Lösung anzubieten.
Was tatsächlich hilft
Dosierte Belastung. Gezielte Kräftigungsübungen für die Unterarmmuskulatur, gesteuert über das Ampelschema, mit Geduld über Monate – nach denselben Regeln wie bei jeder anderen Sehne. Dazu die Anpassung dessen, was den Reiz auslöst: Griffe verdicken, Werkzeug wechseln, den Arbeitsplatz ansehen.
Eine Bandage unterhalb des Ellenbogens kann den Zug auf den Ansatz verringern und die Zeit überbrücken. Sie ersetzt das Training nicht.
→ Sehnenschmerz: warum Sehnen anders heilen und wie man richtig trainiert
Wenn das Training am Schmerz scheitert
Dann geht es darum, dieses Fenster zu öffnen. Die Stoßwellentherapie kann die Heilungsreaktion im Sehnenansatz anstoßen. Injektionen mit körpereigenem Blutplasma kommen infrage, mit uneinheitlicher Studienlage. Für Botulinumtoxin liegen sieben randomisierte Studien mit 381 Patienten vor, die eine Schmerzlinderung um gut einen Punkt auf der zehnstufigen Skala zeigen – allerdings ohne Verbesserung der Griffkraft und mit einer häufigen, vorübergehenden Schwäche der Fingerstreckung.
Alle drei sind Selbstzahlerleistungen, und alle drei schlagen wir nur vor, wenn die Basistherapie ausgeschöpft ist und das Training begleitend weiterläuft.
Wenn etwas anderes dahintersteckt
Nicht jeder Schmerz an der Außenseite des Ellenbogens ist ein Tennisellenbogen. Bei nächtlichem Schmerz, Kribbeln in der Hand oder einem Schmerz, der eher im Unterarmbauch als am Knochenvorsprung sitzt, denken wir an eine Einengung des Speichennervs. Strahlt es vom Nacken her aus, gehört die Halswirbelsäule untersucht. Ein Ellenbogen, der nachgibt oder blockiert, braucht eine andere Abklärung.
Häufige Fragen
Muss ich mit der Arbeit aussetzen?
Meist nicht vollständig. Sinnvoller ist es, die auslösende Bewegung zu verändern und die Belastung zu dosieren, statt den Arm ruhigzustellen – eine ruhiggestellte Sehne wird schwächer.
Wie lange dauert es?
Rechnen Sie mit Monaten. Erste Besserung durch Training meist nach etwa sechs Wochen, der ganze Verlauf drei bis sechs Monate, gelegentlich länger.
Hilft eine Bandage?
Zur Überbrückung ja, indem sie den Zug auf den Ansatz verringert. Als alleinige Behandlung nein.
Ich habe schon zweimal Kortison bekommen und es kam wieder.
Das ist der typische Verlauf, den die Zahlen oben beschreiben. Es spricht nicht gegen Sie und nicht gegen den Arzt, der sie gegeben hat – es spricht dafür, jetzt den anderen Weg zu gehen.
Soll ich den Ellenbogen kühlen oder wärmen?
Beides darf, was Ihnen gut tut. Entscheidend ist keines von beiden.
