Akupunktur: Den Körper an seine eigene Schmerzhemmung erinnern
Die Akupunktur ist Teil der Traditionellen Chinesischen Medizin – neben der chinesischen Arzneimitteltherapie, Tuina, QiGong und der chinesischen Lebenspflege. Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts begannen westliche Forscher, die alten Texte zu übersetzen, in China zu studieren und die Akupunktur in der westlichen Welt bekannt zu machen. So wurde sie auch ein Teil unserer Medizin.
Wir setzen sie in unserer orthopädischen Praxis in Hamburg Rissen vor allem dort ein, wo Schmerzen lange bestehen und die üblichen Mittel nicht mehr genug ausrichten.
Was die Krankenkassen zahlen – und was nicht
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Akupunktur bei zwei Beschwerdebildern:
Chronische Schmerzen in der Lendenwirbelsäule
Chronische Knieschmerzen durch eine Arthrose
Dafür müssen die Schmerzen seit mindestens sechs Monaten anhalten, und andere Therapien dürfen keine ausreichende Linderung gebracht haben. Genehmigt werden dann zehn Sitzungen innerhalb von höchstens sechs Wochen, in begründeten Ausnahmefällen fünfzehn Sitzungen innerhalb von zwölf Wochen. Nach Abschluss einer Behandlung werden die Kosten für eine erneute Therapie frühestens nach zwölf Monaten wieder übernommen.
Bei allen anderen Schmerzen und Erkrankungen kann Akupunktur ebenfalls sehr hilfreich sein – die Kosten tragen die gesetzlichen Kassen dann aber nicht. Die Behandlung ist in diesen Fällen eine individuelle Gesundheitsleistung und kostet 25 € je Sitzung.
Wo die Akupunktur in unserem Plan steht
Ob Ihre Beschwerden unter die Kassenregelung fallen, prüfen wir zuerst — das ist häufiger der Fall, als die meisten annehmen. Erst danach stellt sich die Frage nach einer Selbstzahlerleistung.
Die Akupunktur sollte im Therapieplan nicht alleine stehen und nach chinesischer Tradition mit der gesunden Lebensführung und Bewegungsübungen kombiniert werden.
Wirkt Akupunktur? Was die Studien zeigen
Viele Menschen hierzulande hegen Zweifel an der Wirksamkeit der Akupunktur. Um dieser Frage nachzugehen, wurde in Deutschland eine große Untersuchung durchgeführt: der German Acupuncture Trial. Verglichen wurden die Effekte der schulmedizinischen Standardtherapie mit denen der Akupunktur, untersucht wurden chronische Rückenschmerzen, chronische Knieschmerzen bei Arthrose, Spannungskopfschmerzen und Migräne.
Bei chronischen Rückenschmerzen und bei der Kniearthrose zeigte sich eine Überlegenheit der Akupunktur. Deshalb übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen bei genau diesen beiden Beschwerdebildern seither die Kosten.
Der Teil der Untersuchung zu Spannungskopfschmerzen konnte nicht abgeschlossen werden – die Patienten in der Gruppe „Standardtherapie” mussten die Behandlung wegen zu starker Nebenwirkungen der Medikamente abbrechen. Bei der Migräne zeigten Standardtherapie und Akupunktur eine vergleichbare Wirkung.
In beiden Fällen entschieden die Kassen dennoch, die Akupunktur nicht zu bezahlen – obwohl sie aus medizinischer Sicht eine Alternative zur Standardtherapie wäre.
Im Bereich der Orthopädie und Schmerztherapie wurden darüber hinaus in vielen Studien positive Effekte beobachtet. Eine Schmerzlinderung stellt sich allerdings selten sofort ein. Es braucht mehrere Sitzungen und etwas Geduld.
Kopfschmerzen
Kopfschmerz gehört eigentlich nicht zum orthopädischen Fachgebiet. Ein Teil davon hat aber mit der Halswirbelsäule zu tun: Verspannungen der Nackenmuskulatur, blockierte Kopfgelenke und Funktionsstörungen der oberen HWS können Kopfschmerzen auslösen oder unterhalten – der zervikogene Kopfschmerz. Hier sind wir unmittelbar zuständig und arbeiten mit Akupunktur, manueller Medizin und, wo es nötig ist, mit gezielten Injektionen.
Bei Migräne und Kopfschmerz vom Spannungstyp ist unsere Rolle eine andere: Wir stellen die Diagnose nicht – wir behandeln aber. Die Einordnung Ihres Kopfschmerzes gehört zu Ihrer Hausärztin oder in eine neurologische Praxis. Steht die Diagnose, können wir als Praxis mit der Zusatzbezeichnung Spezielle Schmerztherapie die Behandlung mit Akupunktur ergänzen.
Was die Leitlinie zur Akupunktur sagt
Die Leitlinie „Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne” von DGN und DMKG (2025) bewertet die Akupunktur differenziert, und wir geben das ungefiltert wieder:
Ob die klassische Akupunktur einer Scheinakupunktur überlegen ist, ist nach aktueller Studienlage widersprüchlich; die Leitlinie spricht von moderaten, unspezifischen Effekten. Zugleich weisen die ausgewerteten Metaanalysen darauf hin, dass die Wirkung der Akupunktur mit einer medikamentösen Prophylaxe vergleichbar ist – und dass sie hinsichtlich unerwünschter Wirkungen deutlich besser abschneidet als diese.
Das ist der ehrliche Stand: Wir können Ihnen nicht versprechen, dass die Akupunktur mehr kann als eine überzeugende Scheinbehandlung. Wir können Ihnen sagen, dass sie in den Studien so gut wirkte wie Medikamente zur Vorbeugung – und dabei erheblich besser vertragen wurde.
Für wen das eine Überlegung wert ist
Wenn Sie eine medikamentöse Kopfschmerz-Prophylaxe nicht vertragen oder nicht nehmen möchten. Das ist der häufigste Grund, aus dem Menschen zu uns kommen. Bei der chronischen Migräne fand eine Metaanalyse für Topiramat die meisten unerwünschten Ereignisse und die meisten Therapieabbrüche – wer diesen Weg hinter sich hat, sucht oft etwas anderes.
Wenn Sie schwanger sind oder eine Schwangerschaft planen. Die Leitlinie hält nicht medikamentöse Verfahren in der Schwangerschaft für unbedenklich und empfiehlt, Frauen mit Kinderwunsch frühzeitig über Entspannungstechniken, Biofeedback und Akupunktur aufzuklären – und diese möglichst schon vor der Schwangerschaft einzuüben. Für die medikamentöse Prophylaxe in der Schwangerschaft liegen keine kontrollierten Studien vor.
Wenn Ihr Kopfschmerz einen Anteil aus der Halswirbelsäule hat. Dann behandeln wir beides zugleich – und das ist der Punkt, an dem eine orthopädische Praxis mehr anzubieten hat als eine Nadel.
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Akupunktur bei Kopfschmerzen nicht. Sie ist damit eine Selbstzahlerleistung.
Wann Kopfschmerz nicht in eine Akupunktursitzung gehört
Gehen Sie bitte sofort zur Ärztin oder in die Notaufnahme – nicht zur Akupunktur – wenn ein Kopfschmerz schlagartig und mit nie gekannter Heftigkeit einsetzt, wenn er mit Fieber und Nackensteifigkeit einhergeht, wenn er nach dem 50. Lebensjahr erstmals auftritt, wenn Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen hinzukommen, oder wenn sich ein lange bekannter Kopfschmerz in Charakter und Stärke deutlich verändert.
Wie Akupunktur wirkt
Die Akupunktur ist ein Reflexverfahren. Ihr Ziel ist es, die körpereigene Selbstregulation und die körpereigene Schmerzhemmung zunächst anzusprechen und dann im Verlauf in ihrer Funktion zu stärken. So können sich längerfristig anhaltende Effekte einstellen.
Das ist der wesentliche Unterschied zu einer Schmerztablette: Die Tablette bringt die Wirkung mit. Die Akupunktur bringt nichts mit – sie erinnert den Körper an etwas, das er selbst kann.
Warum wir manchmal an Hand oder Fuß nadeln
Je nach Beschwerdebild suchen wir mehrere Punkte auf: Punkte im Bereich der Beschwerden, sogenannte Lokalpunkte, aber teilweise auch weit entfernte Fernpunkte an Händen, Füßen oder auf der nicht betroffenen Gegenseite.
Das führt bei Patienten manchmal zu Verwirrung. Wir sind durch die Schulmedizin daran gewöhnt, eine Therapie immer dort zu bekommen, wo die Beschwerden am größten sind. Bei der Akupunktur ist das oft bewusst nicht so.
Der Grund: Die Akupunktur wirkt über das Nervensystem. Dieses ist über den gesamten Körper verteilt und läuft in der Zentrale zusammen, im Gehirn. So können auch weit entfernte Punkte – oder eine bestimmte Kombination entfernt liegender Punkte – auf einen ganz bestimmten Bereich wirken. Diese Annahme und die Beobachtungen der alten Chinesen konnten in modernen MRT-Studien des Gehirns während einer Akupunktursitzung bestätigt werden.
Wie eine Sitzung abläuft
Eine Akupunktursitzung dauert etwa zwanzig Minuten. Wünschenswert ist eine kontinuierliche Behandlung mit zwei Sitzungen pro Woche über einen zusammenhängenden Zeitraum von sechs Wochen.
Wir suchen die passenden Punkte auf und setzen dort dünne Akupunkturnadeln. Danach ruhen Sie und lassen die Nadeln wirken. Planen Sie den Termin so, dass Sie danach nicht hetzen müssen.
Tut das weh? Das De-Qi-Gefühl
Das Setzen der Nadeln pikt deutlich weniger als etwa eine Blutentnahme.
An manchen Punkten entsteht ein vorübergehendes dumpfes, druckähnliches Gefühl. Die alten Chinesen nannten es das De-Qi-Gefühl und werteten es als gutes Zeichen. Diese Empfindung schwankt oft von Sitzung zu Sitzung – abhängig von der Tagesform und vom Stadium der Erkrankung.
Wann wir davon abraten
Akupunktur braucht Zeit und Regelmäßigkeit. Wer die zehn Termine in sechs Wochen nicht unterbringen kann, sollte lieber gar nicht anfangen – eine unterbrochene Serie bringt weniger als keine.
Bei frischen, akuten Beschwerden klären wir zuerst die Ursache. Und wenn ein Befund vorliegt, der ein anderes Vorgehen verlangt, sagen wir das: Akupunktur ersetzt keine notwendige Operation und keine gezielte Injektion, wenn eine Nervenwurzel bedrängt ist.
Bei welchen Beschwerden wir Akupunktur einsetzen
→ Kniearthrose – bei chronischen Knieschmerzen durch Arthrose eine Kassenleistung
→ Rückenschmerzen – bei chronischem Kreuzschmerz ebenfalls von den Kassen getragen
→ Chronische Schmerzen – wenn das Schmerzsystem selbst überempfindlich geworden ist
→ Sehnenschmerz – um das Fenster für die Übungsbehandlung zu öffnen
Häufige Fragen
Brauche ich eine Überweisung?
Als gesetzlich versicherter Patient nicht. Wir prüfen im Gespräch, ob die Voraussetzungen für eine Kassenbehandlung erfüllt sind.
Wie viele Sitzungen brauche ich?
Bei der Kassenbehandlung sind es zehn innerhalb von sechs Wochen. Ein bis zwei Termine pro Woche sind der übliche Rhythmus.
Wann merke ich etwas?
Selten sofort. Die meisten spüren erst nach sechs Sitzungen eine beginnende Veränderung. Wer nach der zweiten Sitzung aufgibt, hat der Behandlung keine Chance gegeben.
Behandeln Sie auch Migräne?
Wir diagnostizieren sie nicht – das gehört zu Ihrer Hausärztin oder in eine neurologische Praxis. Steht die Diagnose, können wir die Akupunkturbehandlung übernehmen. Geht Ihr Kopfschmerz von der Halswirbelsäule aus, sind wir dagegen von Anfang an die richtige Adresse.
Hilft Akupunktur bei Migräne wirklich?
Ehrliche Antwort: Die Studienlage ist uneinheitlich. Ob Akupunktur mehr wirkt als eine überzeugend durchgeführte Scheinbehandlung, ist umstritten. Was die Leitlinie festhält: Ihre Wirkung war mit der einer medikamentösen Prophylaxe vergleichbar, bei deutlich weniger Nebenwirkungen. Für viele ist genau das der Grund, es zu versuchen. Im schlimmsten Fall passiert gar nichts.
Kann ich Akupunktur mit anderen Behandlungen kombinieren?
Ja, das ist eher die Regel als die Ausnahme. Akupunktur passt gut zu Bewegungstherapie und manueller Medizin. Die alten Chinesen sahen die Akupunktur nicht als Einzeltherapie, sondern als ein Aspekt in einem Behandlungskonzept, bestehend aus Ernährungsumstellung, angepasste Lebensführung, körperlicher Betätigung und chinesischer Arzneimitteltherapie.
Zahlt meine private Krankenversicherung?
Häufig ja, aber nicht überall gleich. Klären Sie das bitte vor Behandlungsbeginn mit Ihrer Versicherung.
Was ist, wenn die Kasse nicht zahlt, ich es aber versuchen möchte?
Dann rechnen wir die Akupunktur als individuelle Gesundheitsleistung ab. Eine Sitzung kostet 25 €. Sie sollten mindestens sechs zusammenhängende Sitzungen durchführen lassen.
