Achillessehnenschmerz
Die Achillessehne ist die stärkste Sehne des Körpers. Beim Laufen trägt sie ein Vielfaches des Körpergewichts. Wenn sie schmerzt, ist das selten die Folge eines einzelnen Ereignisses, sondern das Ergebnis eines Missverhältnisses: mehr Belastung, als die Sehne gerade verträgt, über längere Zeit.
Der Fachbegriff dafür ist Achillodynie oder Achillessehnen-Tendinopathie.
Zwei Orte, zwei Behandlungen
Diese Unterscheidung entscheidet darüber, ob die Behandlung wirkt, und sie wird häufig übersehen.
Der mittlere Abschnitt. Der Schmerz sitzt zwei bis sechs Zentimeter über dem Fersenbein, die Sehne ist dort oft spürbar verdickt und druckempfindlich. Das ist die häufigere Form und die mit der besseren Aussicht.
Der Ansatz am Fersenbein. Der Schmerz sitzt ganz unten, dort wo die Sehne in den Knochen übergeht. Diese Form verhält sich anders – und das übliche Übungsprogramm kann sie sogar verschlimmern.
Der Grund ist mechanisch: Beim klassischen Absenken der Ferse über eine Stufenkante wird der Fuß über die Neutralstellung hinaus angehoben, und dabei wird die Sehne an ihrem Ansatz gegen den Knochen gepresst. Bei der mittleren Form ist das unproblematisch, bei der Ansatzform ist es genau die Bewegung, die weh tut und den Reiz unterhält.
Wer eine Ansatztendinopathie hat, übt deshalb auf ebenem Boden, ohne die Ferse unter das Niveau abzusenken. Das ist ein kleiner Unterschied in der Ausführung und ein großer im Ergebnis. Deshalb tasten wir vor jeder Übungsempfehlung, wo genau es weh tut.
Woran man es erkennt
Anlaufschmerz nach Ruhe, besonders morgens. Nach einigen Minuten Gehen wird es besser, bei längerer Belastung wieder schlechter. Beim Sport tut es zu Beginn weh, wird im Verlauf besser und am nächsten Tag deutlich schlimmer – ein Muster, das für eine Sehne typisch ist.
Häufig lässt sich eine Verdickung tasten, manchmal ein Knirschen spüren. Wir prüfen außerdem die Beweglichkeit des Sprunggelenks und die Länge der Wadenmuskulatur, sehen uns die Fußstellung an und fragen nach Veränderungen im Training, bei den Schuhen oder im Beruf.
Was hilft: Belastung, richtig dosiert
Die Behandlung der Achillessehne ist keine passive Behandlung. Was die Sehne wieder belastbar macht, ist gezieltes Krafttraining der Wadenmuskulatur über Monate, gesteuert über das Ampelschema – langsam ausgeführt, mit steigender Last, in ausreichender Häufigkeit.
Die Ausführung richtet sich nach dem Ort der Beschwerden, wie oben beschrieben. Begleitend helfen eine leichte Fersenerhöhung im Schuh in der akuten Phase, die Anpassung von Trainingsumfang und Untergrund und das Dehnen der Wade, sofern es nicht am Ansatz zieht.
→ Sehnenschmerz: warum Sehnen anders heilen und wie man richtig trainiert
Zwei Dinge, die Sie wissen sollten
Kortison gehört nicht an die Achillessehne. Eine Injektion in oder unmittelbar an die Sehne lindert kurzfristig und schwächt das Gewebe. Bei einer Sehne, die das Mehrfache des Körpergewichts trägt, ist das Risiko eines Risses zu hoch. Wir spritzen dort nicht.
Bestimmte Antibiotika erhöhen das Risiko eines Sehnenrisses. Das betrifft die Gruppe der Fluorchinolone, zu der Wirkstoffe wie Ciprofloxacin und Levofloxacin gehören. Wenn Sie ein solches Medikament einnehmen oder in den letzten Monaten eingenommen haben, sagen Sie uns das bitte – wir passen Belastung und Training dann an.
Wenn das Training nicht reicht
Nach mehreren Monaten konsequenten Trainings ohne ausreichende Besserung kommen ergänzende Verfahren infrage. Die Stoßwellentherapie zielt darauf, die Heilungsreaktion in der Sehne anzustoßen, und wird bei der Achillessehne häufig eingesetzt. Injektionen mit körpereigenem Blutplasma sind eine weitere Möglichkeit, mit uneinheitlicher Studienlage.
Beides sind Selbstzahlerleistungen, und beides ersetzt das Training nicht, sondern soll es ermöglichen.
Wann es dringend ist
Ein plötzlicher, heftiger Schmerz in der Wade, oft mit einem hörbaren Knall oder dem Gefühl, getreten worden zu sein, danach Kraftverlust beim Abstoßen und Schwierigkeiten, auf den Zehenspitzen zu stehen: Das spricht für einen Riss der Achillessehne und gehört noch am selben Tag untersucht.
Gehen ist dabei oft noch möglich, weil andere Muskeln einspringen – ein Riss ist deshalb nicht daran zu erkennen, dass nichts mehr geht.
Häufige Fragen
Darf ich weiter laufen?
Meist ja, in angepasstem Umfang und auf weicherem Untergrund, solange die Beschwerden am Folgetag nicht zunehmen. Vollständiges Aufhören schwächt die Sehne.
Warum tut es morgens am schlimmsten weh?
Weil die Sehne über Nacht in verkürzter Stellung ruht und die Belastbarkeit am Morgen am geringsten ist. Der Anlaufschmerz ist auch ein brauchbarer Gradmesser: Wird er über Wochen kürzer, geht es in die richtige Richtung.
Wie lange dauert die Behandlung?
Drei bis sechs Monate sind normal, bei der Ansatzform oft länger. Erste Besserung selten vor sechs Wochen.
Hilft eine Bandage oder ein Tape?
Zur Überbrückung manchmal. Belastbarer wird die Sehne davon nicht.
Ich habe eine verdickte Stelle. Bildet die sich zurück?
Die Verdickung bleibt oft bestehen, auch wenn die Beschwerden verschwinden. Beschwerdefreiheit und Aussehen der Sehne hängen nur lose zusammen.
