Krankheitsbilder

Orthopädie

Wir behandeln orthopädische Beschwerden ohne Operation. Das ist keine Einschränkung, sondern eine Entscheidung: Der größte Teil dessen, was in einer orthopädischen Praxis ankommt, wird ohne Skalpell besser – und wo doch operiert werden muss, ist die sauber gestellte Indikation wichtiger als jede Operationstechnik.

Ein Gedanke zieht sich durch fast alles, was auf dieser Seite steht: Bewegung ist für Gelenke, Sehnen und Bandscheiben keine Belastung, die man ihnen zumutet, sondern ihre Ernährung. Bandscheiben und Sehnen haben kaum Blutgefäße; sie werden über den Pumpeffekt versorgt, der beim Be- und Entlasten entsteht. Deshalb hat fast jede Behandlung, die wir vorschlagen, dasselbe Ziel – Sie so weit aus dem Schmerz zu holen, dass Bewegung wieder möglich wird.

Zu den häufigsten Beschwerdebildern finden Sie hier eine Zusammenfassung und, wo vorhanden, eine ausführliche eigene Seite.

Bandscheibenvorfall

Bandscheibenvorfall

Der Vorfall selbst tut meist nicht weh. Beschwerden entstehen erst, wenn er auf eine Nervenwurzel drückt – und dann spüren Sie sie nicht im Rücken, sondern als ausstrahlenden Schmerz im Bein oder Arm.

Die gute Nachricht steckt in den Zahlen: In rund drei von vier Fällen baut der Körper das ausgetretene Gewebe von selbst wieder ab, und je größer der Vorfall ist, desto wahrscheinlicher geschieht das. Unsere Aufgabe ist es, den Schmerz so weit zu dämpfen, dass Bewegung wieder möglich wird – häufig mit einer gezielten Spritze an die Nervenwurzel, die bei uns eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen ist.

→ Mehr über den Bandscheibenvorfall: Verlauf, Behandlung und wann eine Operation hilft

Ischias

Rückenschmerz

„Ischias” ist kein Befund, sondern eine Beschreibung – und eine ziemlich genaue: ein Schmerz, der im Gesäß beginnt und über die Rückseite des Oberschenkels ins Bein zieht, manchmal bis in den Fuß, oft begleitet von Kribbeln oder Taubheit. Entstanden ist er aber fast nie dort, wo er wehtut, sondern an einer Nervenwurzel im unteren Rücken.

Meistens steckt ein Bandscheibenvorfall dahinter, manchmal eine Enge des Wirbelkanals, eine Reizung des Kreuz-Darmbein-Gelenks oder eine verspannte Gesäßmuskulatur. Welche dieser Ursachen vorliegt, entscheidet die Untersuchung und nicht das Bild – und davon hängt ab, ob eine gezielte Spritze an die Nervenwurzel hilft, ob mit den Händen behandelt wird oder ob zuerst trainiert wird. Vom Hexenschuss unterscheidet sich der Ischiasschmerz übrigens durch genau ein Merkmal: Er zieht ins Bein, der Hexenschuss bleibt im Rücken.

→ Mehr über Ischias: Ursachen, Warnzeichen und was gegen den Schmerz hilft

Spinalkanalstenose

Spinalkanalstenose

Man erkennt sie oft an einem einzigen Satz: „Ich kann nicht mehr weit gehen, aber Fahrradfahren geht problemlos.” Wenn der Wirbelkanal enger wird, treten Beinschmerzen erst nach einer bestimmten Gehstrecke auf und lassen im Sitzen rasch wieder nach.

Behandelt wird zuerst ohne Operation: gezieltes Training, das die Gehstrecke Schritt für Schritt wieder verlängert, dazu Spritzen an die Nervenwurzel oder in den Wirbelkanal. Auch diese sind bei uns Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen.

→ Mehr über die Spinalkanalstenose: Gehstrecke, Behandlung und wann eine Operation infrage kommt

Rückenschmerzen

Rückenschmerz

Rückenschmerz hat selten eine einzige Ursache. Wir unterscheiden drei Gruppen: das, was man auf einem Bild sieht – Verschleiß, Bandscheibe, Wirbelkanal; das, was auf keinem Bild zu sehen ist – gestörte Funktion von Gelenken, Muskeln und Faszien, die häufigste Gruppe; und das Schmerzsystem selbst, wenn Beschwerden lange bestehen.

Deshalb machen wir nicht als Erstes ein Bild. Die Nationale VersorgungsLeitlinie rät bei akuten und wiederkehrenden Kreuzschmerzen ohne Warnzeichen ausdrücklich davon ab – und das aus gutem Grund: Befunde, die fast jeder in diesem Alter hat, lenken die Behandlung auf ein falsches Ziel.

→ Mehr über Rückenschmerzen: Ursachen, Warnzeichen und was tatsächlich hilft

Nackenschmerzen

Der Nacken trägt den ganzen Tag vier bis fünf Kilogramm und muss dabei beweglich bleiben – eine Konstruktion mit wenig Reserve. Meist steckt keine gefährliche Ursache dahinter, sondern eine Funktionsstörung nach langer einseitiger Haltung.

Strahlt der Schmerz in den Arm aus, ist oft eine Nervenwurzel beteiligt; dann kommt eine gezielte Injektion an der Halswirbelsäule infrage, die bei uns eine Kassenleistung ist. Und mancher Kopfschmerz, der als Spannungskopfschmerz behandelt wird, kommt aus dem Nacken – das gehört untersucht, bevor man es anders nennt.

→ Mehr über Nackenschmerzen: Ursachen, Ausstrahlung in den Arm und Behandlung

Arthrose

Arthrose

Arthrose ist kein Defekt, sondern ein normaler, altersentsprechender Gelenkverschleiß, der aus dem Gleichgewicht geraten ist. Verschleiß allein tut nicht weh – ältere Menschen haben fast alle welchen, aber längst nicht alle Schmerzen. Erst wenn das Gleichgewicht kippt, entsteht eine Arthrose.

Daraus folgt die Behandlung: herausfinden, was das Gleichgewicht gestört hat, und es zurückholen. Den größten Anteil daran haben tägliche Bewegung und Krafttraining – nicht Schonung. Für Knie und Hüfte gibt es dafür sogar ein Programm, das Ihre Kasse vollständig bezahlt.

→ Mehr über Arthrose: warum Gelenke altern, was das Gleichgewicht stört und was tatsächlich hilft

Kniearthrose

Anlaufschmerz nach dem Sitzen, Treppen abwärts schwerer als aufwärts, nach Belastung ein geschwollenes, warmes Knie. Am Verlauf beteiligt sind die Beinachse, frühere Meniskus- oder Kreuzbandverletzungen, die Kraft des Oberschenkels und das Gewicht.

Am Knie gibt es zwei Behandlungen, die es sonst nicht gibt: das GLA:D-Programm und die Akupunktur – beide bei entsprechenden Voraussetzungen Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen. Von einer Kniespiegelung wegen Arthrose raten wir ab; sie wurde 2015 aus gutem Grund aus dem Leistungskatalog gestrichen.

→ Mehr über die Kniearthrose: Ursachen, Behandlung und die Sache mit der Kniespiegelung

Hüftarthrose

Der Schmerz sitzt in der Leiste und strahlt in den Oberschenkel, manchmal bis ins Knie – nicht außen an der Hüfte. Wer dort Schmerzen hat, hat meist ein Sehnenproblem am Rollhügel, das ganz anders behandelt wird. Diese Unterscheidung steht am Anfang.

Früh verloren geht die Drehung nach innen: Socken anziehen, Schneidersitz, ins Auto steigen. Auch für die Hüfte gibt es das GLA:D-Programm zulasten der Krankenkasse.

→ Mehr über die Hüftarthrose: Leistenschmerz, Behandlung und der richtige Zeitpunkt

Schulterarthrose

An der Schulter ist die Arthrose des Gelenks seltener der Grund für Schmerzen als das, was darum herum liegt. Vier Dinge sind auseinanderzuhalten: die Arthrose des Schultergelenks, die des Schultereckgelenks, Beschwerden der Rotatorenmanschette und die Kalkschulter. Sie werden unterschiedlich behandelt, und ein Bild allein unterscheidet sie nicht.

Für die Arthrose selbst spricht vor allem eine Bewegungseinschränkung in alle Richtungen. Wichtig ist dann, die Schulter nicht zu schonen – eine versteifte Schulter ist am Ende das größere Problem.

→ Mehr über die Schulterarthrose: die vier Ursachen und was sie unterscheidet

Rhizarthrose: Daumensattelgelenk

Glas öffnen, Schlüssel drehen, zugreifen – die Arthrose des Daumensattelgelenks trifft genau diese Bewegungen und vor allem Frauen ab etwa fünfzig. Der Schmerz sitzt an der Daumenwurzel, nicht im Daumen und nicht am Handgelenk.

Unter den einfachen Maßnahmen hat die Schiene die beste Studienlage, vor allem über Monate getragen. Dazu Übungen für die Daumenmuskulatur und angepasste Griffe im Alltag – Kleinigkeiten, die den größten Unterschied machen.

→ Mehr über die Rhizarthrose: Schiene, Übungen und wann operiert wird

Sehnenschmerz: Achillessehne, Ellenbogen, Schulter

Sehnen folgen anderen Regeln als der übrige Bewegungsapparat. Sie stehen unter dauerndem Zug, was eine Versorgung über Blutgefäße weitgehend ausschließt – sie ernähren sich über den Pumpeffekt beim Be- und Entlasten. Wer einer schmerzenden Sehne deshalb Ruhe gönnt, schwächt sie und landet zuverlässig in einem Teufelskreis: weniger Belastung, schlechtere Ernährung, früher Schmerz beim nächsten Mal.

Was stattdessen hilft, ist dosierte Belastung, gesteuert über ein einfaches Ampelschema, mit Geduld über Monate. Das gilt für die Achillessehne, den Tennis- und Golferellenbogen, das Kniescheibenspitzensyndrom und die Sehnen der Rotatorenmanschette gleichermaßen.

→ Mehr über Sehnenschmerz: warum Sehnen anders heilen und wie man richtig trainiert

Fersensporn und Plantarfasziitis

Fersensporn

Der erste Schritt am Morgen tut stechend weh, nach einigen Minuten wird es besser, am Abend kommt es zurück. Etwa die Hälfte der Betroffenen hat auf dem Röntgenbild einen Knochensporn am Fersenbein – er ist aber nicht die Ursache, sondern eine Folge derselben jahrelangen Zugbelastung, und er findet sich ebenso bei Menschen ohne Beschwerden.

Rund drei von vier Fällen klingen innerhalb von zwölf Monaten ab. Behandelt wird mit Dehnung, Einlagen und Belastungsübungen. Reicht das nicht, ist die Stoßwellentherapie das Verfahren mit der besten Studienlage – und beim Fersensporn unter bestimmten Voraussetzungen eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen.

→ Mehr über Fersensporn und Plantarfasziitis: Ursachen, Verlauf und Behandlung

Tennisellenbogen und Golferellenbogen

Der Schmerz sitzt am Knochenvorsprung außen am Ellenbogen – beim Golferellenbogen innen – und meldet sich beim Zugreifen, beim Anheben mit gestrecktem Arm, beim Drehen eines Türgriffs. Die meisten Betroffenen haben nie Tennis gespielt.

Trotz der Endung „-itis” liegt keine Entzündung vor, sondern ein Umbau der Sehne. Das erklärt, warum eine Kortisonspritze zwar rasch hilft, ein Jahr später aber schlechter dasteht als gar keine Behandlung: In einer randomisierten Studie mit 165 Patienten kam es danach bei 54 Prozent zu Rückfällen gegenüber 12 Prozent ohne Spritze. Was die Sehne tatsächlich wieder belastbar macht, ist dosierte Belastung über Monate.

→ Mehr über Tennisellenbogen und Golferellenbogen: Ursachen, Verlauf und Behandlung

Achillessehnenschmerz

Anlaufschmerz nach Ruhe, besonders morgens; nach einigen Minuten wird es besser, nach längerer Belastung wieder schlechter. Häufig ist die Sehne an einer Stelle tastbar verdickt.

Für die Behandlung entscheidet der Ort: Sitzt der Schmerz im mittleren Sehnenabschnitt oder unten am Ansatz zum Fersenbein? Die verbreitete Übung, bei der die Ferse über eine Stufenkante abgesenkt wird, hilft bei der einen Form und unterhält bei der anderen den Reiz. Deshalb tasten wir, bevor wir Übungen empfehlen.

→ Mehr über Achillessehnenschmerz: die beiden Formen, Behandlung und Warnzeichen

Kalkschulter

Die Kalkschulter gehört nicht zu den übrigen Sehnenbeschwerden. Hier ist die Sehne nicht überlastet, sondern der Körper hat in ihr ein Kalkdepot angelegt – und baut es nach einiger Zeit selbst wieder ab.

Das erklärt den Verlauf, der viele Betroffene erschreckt: Die heftigste Phase, mit Schmerzen, die nachts kaum auszuhalten sind, ist genau die, in der das Depot aufgelöst wird. Danach ist es vorbei. Unsere Aufgabe ist es deshalb weniger, etwas zu beseitigen, als Sie durch diese Zeit zu bringen – mit Schmerzbehandlung, erhaltener Beweglichkeit und, wenn nötig, der Stoßwellentherapie.

→ Mehr über die Kalkschulter: Phasen, Verlauf und Behandlung

Chronische Schmerzen

Halten Schmerzen über Monate an oder kehren sie immer wieder, ändert sich ihr Charakter: Sie melden dann keine Verletzung mehr, sondern sind ein eigenständiges Problem. Das Schmerzgedächtnis hat gelernt, früher zu warnen – ein Schutzsystem, das über das Ziel hinausgeschossen ist.

Deshalb wirken die Behandlungen, die bei akutem Schmerz helfen, immer schlechter. Was stattdessen nötig ist: herauszufinden, welche Faktoren den Schmerz aufrechterhalten, und sie gemeinsam anzugehen – ärztlich, mit Bewegung und, wo es hilft, psychologisch.

→ Mehr über chronische Schmerzen: wie sie entstehen und was dagegen hilft

Osteoporose

Osteoporose

Osteoporose tut nicht weh. Sie entwickelt sich über Jahre unbemerkt, und die erste Mitteilung ist oft ein Knochenbruch, der bei diesem Anlass nicht hätte passieren dürfen – ein Sturz aus dem Stand, ein Stolpern, manchmal nur eine ungünstige Bewegung.

Deshalb lohnt es sich, bei einem entsprechenden Risikoprofil nachzusehen, bevor etwas passiert. Und deshalb steht am Anfang der Behandlung nicht ein Medikament, sondern Kalzium, Vitamin D und – auch wenn es zunächst widersinnig klingt – Krafttraining. Nur ein kräftiger Reiz erhält den Knochen.

→ Mehr über Osteoporose: Risiko, Diagnostik, Basistherapie und Medikamente

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