Kniearthrose
Das Knie ist das Gelenk, an dem Arthrose am häufigsten behandelt wird – und dasjenige, an dem am meisten operiert wird, was nicht operiert werden müsste.
Diese Seite behandelt, was am Knie besonders ist. Wie Arthrose überhaupt entsteht, warum Bewegung das Gelenk ernährt und wie Sie mit dem Ampelschema sicher trainieren, steht auf der Hauptseite.
Woran Sie es erkennen
Anlaufschmerz nach dem Sitzen, der nach den ersten Schritten nachlässt. Treppen abwärts sind unangenehmer als aufwärts. Nach längerer Belastung schwillt das Knie an und fühlt sich warm an – das ist die aktivierte Arthrose, also die Phase mit Entzündung. Manchmal bildet sich in der Kniekehle eine Zyste, die dort drückt.
Was Patienten häufig beunruhigt und selten etwas bedeutet: Knirschen und Knacken ohne Schmerz. Das gehört zum älteren Gelenk und ist kein Grund zu handeln.
Was den Verlauf antreibt
Am Knie gibt es einige Faktoren, die stärker wiegen als anderswo.
Die Beinachse. Ein ausgeprägtes O-Bein belastet die Innenseite, ein X-Bein die Außenseite – über Jahre entsteht daraus ein einseitiger Verschleiß. Wir sehen uns das im Stand und im Gang an.
Frühere Verletzungen, besonders am Meniskus oder Kreuzband. Ein entfernter Meniskus fehlt als Puffer; das ist einer der Gründe, warum Meniskusoperationen heute zurückhaltender gestellt werden als früher.
Die Muskulatur. Der vordere Oberschenkelmuskel führt und dämpft das Knie. Ist er schwach, trifft jede Spitzenbelastung direkt den Knorpel. Das ist zugleich der Hebel, der sich am besten bewegen lässt.
Und das Gewicht – am Knie doppelt, weil dort Last und Entzündungsgrad zusammenkommen.
Was wir tun
Die Grundlage ist dieselbe wie bei jeder Arthrose: tägliche Bewegung, Krafttraining, Gewicht und Stoffwechsel. Am Knie kommen drei Dinge hinzu, die es sonst nicht gibt.
GLA:D ist ein strukturiertes Programm aus Schulung und angeleitetem Training über zwölf Wochen, entwickelt in Dänemark, ausdrücklich für Arthrose an Knie und Hüfte – und von den gesetzlichen Krankenkassen vollständig bezahlt.
→ Programme, die Ihre Krankenkasse bezahlt
Akupunktur ist bei chronischem Knieschmerz durch Arthrose eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen, wenn die Beschwerden seit mindestens sechs Monaten bestehen. Das gilt nur für zwei Beschwerdebilder überhaupt, und das Knie ist eines davon.
Spritzen ins Gelenk kommen infrage, wenn Bewegung allein nicht ausreicht: Hyaluronsäure für die längerfristige Verbesserung, Eigenblut zur Anregung der Reparatur, Kortison nur bei stark entzündetem Gelenk und nicht wiederholt.
Warum wir von einer Kniespiegelung abraten
Die Arthroskopie war jahrzehntelang die Standardantwort auf ein schmerzendes Arthroseknie. Dann wurde sie untersucht.
In hochwertigen Studien schnitt sie nicht besser ab als eine Scheinoperation oder als gar keine Behandlung – weder beim Schmerz noch bei der Beweglichkeit. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat daraus 2015 die Konsequenz gezogen und arthroskopische Verfahren zur Behandlung der Kniearthrose aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung gestrichen, ambulant wie stationär.
Ausgenommen bleiben Eingriffe nach einer Verletzung, bei einer akuten Gelenkblockade und bei Meniskusbeschwerden, wenn die Arthrose nur Begleitbefund ist und die Beschwerden zuverlässig vom Meniskus kommen.
Wenn Ihnen eine Kniespiegelung wegen Arthrose als Selbstzahlerleistung angeboten wird, sollten Sie diesen Beschluss kennen, bevor Sie zustimmen.
Wann ein Kunstgelenk infrage kommt
Wenn Bewegung, Training, Gewicht und die genannten Verfahren über einen angemessenen Zeitraum ausgeschöpft sind und das Knie Ihr Leben weiterhin bestimmt – Gehstrecke, Schlaf, Beruf –, ist die Frage berechtigt. Der Knieersatz ist eine gute Operation, aber er hat eine geringere Zufriedenheitsquote als der Hüftersatz, und das sollte man vorher wissen.
Entscheidend für das Ergebnis ist nicht die Technik, sondern die sauber gestellte Indikation. Wir operieren selbst nicht – was aus dieser Beratung ein eigenes Interesse herausnimmt.
Häufige Fragen
Ist Radfahren gut fürs Knie?
Ja, sehr. Wenig Last, viel Bewegung, guter Trainingsreiz für den Oberschenkel. Sattel eher höher stellen.
Soll ich Treppen meiden?
Nein. Wenn abwärts weh tut, nehmen Sie das Geländer und setzen Sie das schmerzende Bein zuerst – und trainieren Sie den Oberschenkel, damit es wieder geht.
Bringt eine Bandage etwas?
Sie kann Schmerzen lindern und Sicherheit geben, besonders bei Instabilitätsgefühl. Stärker wird das Knie davon nicht.
Was ist mit Einlagen bei O-Beinen?
Sie können die Last etwas umverteilen und die Beschwerden lindern. Die Achse ändern sie nicht.
Mein Knie knackt. Ist das schlimm?
Ohne Schmerz nein. Geräusche sagen wenig über den Zustand eines Gelenks.
