Schulterschmerzen: vier Ursachen, vier Wege
Die Schulter ist das Gelenk mit der größten Beweglichkeit und der geringsten knöchernen Führung. Was sie zusammenhält, sind Sehnen und Kapsel. Deshalb ist an der Schulter das Gelenk selbst seltener die Ursache von Beschwerden als die Strukturen darum herum.
„Schulterschmerz” ist entsprechend kein Befund, sondern ein Sammelbegriff. Dahinter stecken vier Dinge, die sich grundlegend unterscheiden – in der Entstehung, im Verlauf und in dem, was hilft. Sie auseinanderzuhalten ist der eigentliche Teil der Arbeit.
Woher Schulterschmerzen kommen
Vier Ursachen decken die große Mehrheit der Fälle ab:
Die Sehne. Beschwerden der Rotatorenmanschette, der Sehnenkappe, die den Oberarmkopf führt. Das ist die häufigste Ursache von Schulterschmerz überhaupt – eine Sehnenerkrankung, keine Arthrose.
Der Kalk. Eine Kalkeinlagerung in einer dieser Sehnen, die eigenen Phasen folgt und sich meist von selbst wieder auflöst.
Der Verschleiß. Die Arthrose des Schultergelenks selbst oder des Schultereckgelenks, dort wo das Schlüsselbein auf das Schulterdach trifft.
Die Steife. Die Frozen Shoulder, bei der die Gelenkkapsel schrumpft – mit Bewegungsverlust und starkem Schmerz, aber ohne Verschleiß als Ursache.
Ein Bild allein unterscheidet diese vier nicht. Verschleiß findet sich an der Schulter ab einem gewissen Alter fast immer, und er tut meistens nicht weh. Was Ihren Schmerz macht, zeigt die Untersuchung: wo es wehtut, bei welcher Bewegung, in welchem Winkel, mit welchem Kraftverlust.
Die Sehne: Impingement und Rotatorenmanschette
Typisch ist ein Schmerz an der Außenseite des Oberarms, der beim seitlichen Anheben in einem mittleren Bogen am stärksten ist und darüber wieder nachlässt. Arbeiten über Kopf wird mühsam, die Jacke anzuziehen auch. Nachts auf der betroffenen Seite zu liegen geht nicht mehr. Dazu kommt oft ein Kraftverlust beim Auswärtsdrehen, den die Betroffenen selbst gar nicht bemerken.
Was dahintersteckt, ist eine überlastete oder degenerativ veränderte Sehne, manchmal mit einer Einengung des Raums unter dem Schulterdach, manchmal mit einem Teilriss. Entscheidend für die Behandlung ist nicht, wie das Bild aussieht, sondern wieviel Kraft und Funktion erhalten sind.
Sehnen heilen langsam, und sie heilen nicht durch Schonung, sondern durch dosierten Zug. Die Behandlung besteht deshalb im Kern aus gezielter Kräftigung der Außenrotatoren und der schulterblattführenden Muskulatur – über Wochen bis Monate, nicht über Tage. Die Schmerzbehandlung dient dabei einem Zweck: dass Sie überhaupt üben können. Bei hartnäckigen Sehnenbeschwerden kommt die Stoßwellentherapie infrage, bei entzündlichen Phasen eine gezielte Injektion.
Zur Operation: Für die Gelenkspiegelung mit Erweiterung des Raums unter dem Schulterdach haben zwei große randomisierte Studien keinen relevanten Vorteil gegenüber einer Scheinoperation gezeigt. Anders liegt der Fall bei einem vollständigen, frischen Riss der Rotatorenmanschette, besonders bei jüngeren Menschen – da ist die Naht eine ernsthafte Option, und zwar zeitnah.
→ Sehnenschmerz: warum Sehnen anders heilen
→ Ansätze der regenerativen Medizin: Eigenbluttherapie (ACP/PRP)
Der Kalk: Kalkschulter
Die Kalkschulter ist die unangenehmste und zugleich die dankbarste der vier Ursachen. Unangenehm, weil die akute Phase zu den stärksten Schmerzen gehört, die der Bewegungsapparat hervorbringt – viele Betroffene können nachts nicht liegen und sitzen im Sessel. Dankbar, weil der Kalk in den meisten Fällen von selbst wieder verschwindet.
Die Erkrankung läuft in Phasen über Monate bis Jahre. Die stärksten Schmerzen treten oft dann auf, wenn der Körper beginnt, den Kalk aufzulösen. Das ist medizinisch ein gutes Zeichen und für den Betroffenen das Gegenteil davon.
→ Kalkschulter: Verlauf, Behandlung und warum Geduld hier wirkt
Der Verschleiß: Schulterarthrose
Die Arthrose des Schultergelenks – die Omarthrose – macht vor allem eine zunehmende Bewegungseinschränkung, oft mehr als Schmerz. Die Bewegung geht in alle Richtungen verloren, anders als bei Sehnenbeschwerden, die typischerweise nur bestimmte Bewegungen betreffen. Das Anheben zur Seite und die Außendrehung sind früh eingeschränkt. Oft knirscht es. Nachts auf der betroffenen Seite zu liegen wird unangenehm.
Die Arthrose des Schultereckgelenks sitzt woanders und fühlt sich anders an: punktuell oben auf der Schulter, besonders beim Arbeiten über Kopf und beim Griff zur gegenüberliegenden Schulter.
Häufig entsteht eine Schulterarthrose nicht von selbst, sondern nach einem langjährigen Sehnenschaden oder nach einer Verletzung. Das ist einer der Gründe, Sehnenbeschwerden an der Schulter nicht einfach laufen zu lassen.
→ Arthrose: warum Gelenke altern und was tatsächlich hilft
→ Ansätze der regenerativen Medizin: Eigenbluttherapie (ACP/PRP)
Die Steife: Frozen Shoulder
Eine eigene Erkrankung, bei der die Gelenkkapsel sich entzündet und schrumpft. Sie verläuft in drei Phasen: zunächst Monate mit starkem Schmerz und zunehmender Steife, dann eine Phase, in der der Schmerz nachlässt und die Schulter steif bleibt, zuletzt das langsame Auftauen. Insgesamt rechnet man mit ein bis drei Jahren.
Zwei Dinge sind wichtig. Erstens: Eine Frozen Shoulder lässt sich nicht aufdehnen, jedenfalls nicht in der schmerzhaften Anfangsphase. Forcierte Mobilisation verschlimmert dort regelmäßig. Zweitens: Sie heilt in aller Regel aus, auch wenn die Dauer zermürbend ist.
Was in der Frühphase hilft, ist eine gezielte Injektion in das Gelenk, um die Entzündung zu dämpfen, und Bewegung in dem Bereich, der nicht wehtut. Die Steife selbst arbeitet man später an, wenn der Schmerz nachgelassen hat. Häufiger als zufällig tritt die Erkrankung bei Diabetes und bei Schilddrüsenerkrankungen auf – wenn beides bei Ihnen nicht untersucht ist, holen wir das nach.
Wenn Ihre Schulter innerhalb weniger Wochen deutlich steif geworden ist, sagen Sie uns das ausdrücklich. Der Unterschied zur Arthrose ist am Anfang nicht immer offensichtlich, und das Vorgehen ist ein anderes.
Was wir in Hamburg-Rissen tun
Am Anfang steht die Untersuchung, nicht das Bild. Wir prüfen die Beweglichkeit aktiv und passiv, testen die einzelnen Sehnen gegen Widerstand und schauen uns an, wie das Schulterblatt mitläuft. Ergänzend nutzen wir den Ultraschall, der an der Schulter mehr zeigt, als die meisten erwarten, und zwar in Bewegung. Ein MRT brauchen wir nicht in jedem Fall; wenn es nötig ist, sagen wir Ihnen, welche Frage es beantworten soll.
Daraus ergibt sich der Behandlungsplan. Für alle vier Ursachen gilt derselbe Grundsatz: Eine Schulter, die geschont wird, versteift – und eine versteifte Schulter ist am Ende das größere Problem als das, was den Schmerz ursprünglich gemacht hat.
Physiotherapie mit einem Heimprogramm, das die Beweglichkeit erhält und die schulterführende Muskulatur kräftigt. Schmerzbehandlung so weit, dass Sie üben können. Bei entzündlichen Phasen gezielte Injektionen, bei überlasteten Sehnen die Stoßwellentherapie. Ein Programm wie GLA:D gibt es für die Schulter nicht – es ist ausdrücklich für Knie und Hüfte gemacht. Die Bewegungstherapie läuft hier über eine gewöhnliche Heilmittelverordnung oder über die app-gestützte Begleitung, an der wir teilnehmen.
Unsere Praxis liegt in der Gudrunstraße 1 in Hamburg-Rissen, zwei Minuten vom Bahnhof Rissen. Aus Blankenese, Sülldorf, Iserbrook, Wedel und Schenefeld sind Sie in einer Viertelstunde da. Eine Überweisung brauchen Sie nicht.
→ Programme, die Ihre Krankenkasse bezahlt
→ Ansätze der regenerativen Medizin: Eigenbluttherapie (ACP/PRP)
Wann eine Operation sinnvoll ist
Es gibt Befunde an der Schulter, bei denen wir zu einer Operation raten. Der frische, vollständige Riss der Rotatorenmanschette gehört dazu, besonders bei jüngeren Menschen und wenn Kraft verloren gegangen ist. Hier zählt Zeit.
Bei der Schulterarthrose liegt die Schwelle später als an Knie und Hüfte. Ein künstliches Schultergelenk kommt in Betracht, wenn die Beweglichkeit trotz konsequenter Behandlung so weit eingeschränkt ist, dass alltägliche Verrichtungen nicht mehr gelingen, und der Schmerz den Schlaf bestimmt. Welche Art von Prothese infrage kommt, hängt wesentlich vom Zustand der Rotatorenmanschette ab – auch deshalb gehört sie zu jeder Abklärung.
Zurückhaltend sind wir bei der Gelenkspiegelung wegen Schmerzen ohne Riss, und bei jedem Eingriff, der vorgeschlagen wird, bevor eine konsequente Bewegungstherapie über mehrere Monate gelaufen ist. „Konsequent” heißt dabei nicht sechs Termine Krankengymnastik, sondern ein Programm, das Sie selbst weiterführen.
Zweitmeinung vor einer Schulter-OP
Wir operieren selbst nicht. Wenn Ihnen ein Eingriff an der Schulter vorgeschlagen wurde, sehen wir uns Befunde und Bilder mit Ihnen an, ohne eigenes Interesse am Ausgang.
Für die Schulterarthroskopie – die Gelenkspiegelung – haben gesetzlich Versicherte einen gesetzlichen Anspruch auf eine Zweitmeinung nach § 27b SGB V. Wir haben dafür die Genehmigung der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg. Für Sie ist das kostenfrei, Sie brauchen weder eine Begründung noch die Erlaubnis Ihrer Kasse.
Das Gelenk mit den meisten Verwechslungen
Schulterschmerz ist ein Sammelbegriff. Dahinter stecken mindestens vier verschiedene Dinge, die unterschiedlich behandelt werden:
Die Arthrose des Schultergelenks selbst – die Omarthrose. Sie macht vor allem eine zunehmende Bewegungseinschränkung, oft mehr als Schmerz, und betrifft eher ältere Menschen.
Die Arthrose des Schultereckgelenks – dort, wo das Schlüsselbein auf das Schulterdach trifft. Sie tut punktuell oben auf der Schulter weh, besonders beim Arbeiten über Kopf und beim Griff zur gegenüberliegenden Schulter.
Beschwerden der Rotatorenmanschette – der Sehnenkappe, die den Oberarmkopf führt. Das ist die häufigste Ursache von Schulterschmerz überhaupt und eine Sehnenerkrankung, keine Arthrose.
Die Kalkschulter – eine Kalkeinlagerung in einer dieser Sehnen, die eigenen Phasen folgt und sich meist von selbst auflöst.
→ Sehnenschmerz: warum Sehnen anders heilen
Diese vier auseinanderzuhalten ist der eigentliche Teil der Arbeit. Ein Bild allein leistet das nicht, denn Verschleiß findet sich an der Schulter ab einem gewissen Alter fast immer – und tut meistens nicht weh.
Woran Sie eine Schulterarthrose erkennen
Die Bewegung geht zuerst verloren, und zwar in alle Richtungen – anders als bei Sehnenbeschwerden, die typischerweise nur bestimmte Bewegungen betreffen. Das Anheben zur Seite und die Außendrehung sind früh eingeschränkt. Oft knirscht es. Nachts auf der betroffenen Seite zu liegen wird unangenehm.
Häufig entsteht eine Schulterarthrose nicht von selbst, sondern nach einem langjährigen Sehnenschaden oder nach einer Verletzung. Das ist einer der Gründe, Sehnenbeschwerden an der Schulter nicht einfach laufen zu lassen.
Was wir tun
Auch hier steht Bewegung am Anfang, und sie ist an der Schulter besonders wichtig: Eine Schulter, die geschont wird, versteift schnell – und eine versteifte Schulter ist am Ende das größere Problem als die Arthrose selbst.
Physiotherapie mit einem Heimprogramm, das die Beweglichkeit erhält und die schulterführende Muskulatur kräftigt. Schmerzbehandlung so weit, dass Sie üben können. Bei entzündlichen Phasen kommen Spritzen infrage, bei überlasteten Sehnen rund um das Gelenk die Stoßwellentherapie.
Ein Programm wie GLA:D gibt es für die Schulter nicht – es ist ausdrücklich für Knie und Hüfte gemacht. Die Bewegungstherapie läuft hier über eine gewöhnliche Heilmittelverordnung oder über die app-gestützte Begleitung, an der wir teilnehmen.
→ Programme, die Ihre Krankenkasse bezahlt
→ Ansätze der regenerativen Medizin: Eigenbluttherapie (ACP/PRP)
Wann operiert wird
Bei der Schulterarthrose später als an Knie und Hüfte. Ein künstliches Schultergelenk kommt in Betracht, wenn die Beweglichkeit trotz konsequenter Behandlung so weit eingeschränkt ist, dass alltägliche Verrichtungen nicht mehr gelingen, und der Schmerz den Schlaf bestimmt.
Welche Art von Prothese infrage kommt, hängt wesentlich vom Zustand der Rotatorenmanschette ab – auch deshalb gehört sie zu jeder Abklärung.
Wir operieren selbst nicht. Wenn Ihnen ein Eingriff vorgeschlagen wurde, sehen wir uns Befunde und Bilder mit Ihnen an, ohne eigenes Interesse am Ausgang.
Häufige Fragen
Welcher Arzt ist bei Schulterschmerzen der richtige?
Ein Orthopäde, der die Schulter untersucht und nicht nur ein Bild befundet. Entscheidend ist, ob am Ende klar ist, welche der vier Ursachen Ihre Beschwerden macht – daran hängt alles Weitere. Wenn Ihnen nach dem Termin nur ein Befund genannt wurde, aber keine Zuordnung Ihres Schmerzes zu einer Struktur, fehlt der wichtigste Teil.
Auf dem Bild ist Verschleiß zu sehen. Kommt mein Schmerz daher?
Nicht unbedingt. An der Schulter findet sich Verschleiß ab einem gewissen Alter fast immer. Ob er Ihre Beschwerden erklärt, entscheidet die Untersuchung, nicht das Bild.
Warum tut es nachts am meisten weh?
Weil im Liegen der Druck auf Gelenk und Sehnen steigt und die ablenkenden Reize des Tages fehlen. Eine Lagerung mit einem Kissen unter dem Arm hilft vielen. Bei der Kalkschulter und bei der Frozen Shoulder ist der Nachtschmerz typischerweise am stärksten – wenn Sie seit Wochen nicht auf der Seite liegen können, gehört das in die Untersuchung.
Soll ich die Schulter schonen?
Nein. Schonung führt zur Versteifung, und eine steife Schulter zurückzugewinnen dauert Monate. Bewegen Sie sie im Rahmen dessen, was der Schmerz zulässt. Die Ausnahme ist die akute Phase einer Frozen Shoulder: Dort bringt es nichts, gegen den Schmerz zu dehnen.
Was ist eine Frozen Shoulder?
In der Regel ein bis drei Jahre über alle drei Phasen. Das ist lang, und man kann den Verlauf nicht wesentlich abkürzen – aber man kann den Schmerz deutlich mildern und verhindern, dass die Schulter mehr Beweglichkeit verliert als nötig.
Muss eine Kalkschulter operiert werden?
In den meisten Fällen nicht. Der Kalk löst sich mit der Zeit von selbst auf. Operiert wird, wenn der Schmerz trotz Behandlung über lange Zeit bleibt und der Kalk sich nicht bewegt.
Brauche ich ein MRT?
Nicht in jedem Fall. Es ist sinnvoll, wenn der Verdacht auf einen relevanten Sehnenriss besteht oder wenn eine Operation im Raum steht. Für die Entscheidung, womit die Behandlung beginnt, braucht es meistens Untersuchung und Ultraschall.
Bringt eine Bandage etwas?
An der Schulter selten. Was hilft, ist Bewegung und gezielte Kräftigung.
