Nackenschmerzen

Der Nacken trägt den ganzen Tag einen Kopf von vier bis fünf Kilogramm und muss ihn dabei beweglich halten. Das ist eine Konstruktion mit wenig Reserve – und der Grund, warum Nackenschmerzen so verbreitet sind und so oft wiederkehren.

In den allermeisten Fällen steckt keine gefährliche Ursache dahinter. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte ist, dass „nichts Schlimmes” für den, der es hat, keine Behandlung ist.

Wann Sie nicht abwarten dürfen

Ein Nackenschmerz nach einem Sturz oder Unfall gehört untersucht, bevor Sie den Kopf weiter bewegen. Ebenso Fieber zusammen mit Nackensteifigkeit, eine zunehmende Schwäche oder Taubheit in Arm oder Hand, Gangunsicherheit oder Ungeschicklichkeit der Hände, und Schmerz, der nachts am schlimmsten ist, in Ruhe nicht nachlässt oder mit ungewolltem Gewichtsverlust einhergeht.

Gangunsicherheit und feinmotorische Ungeschicklichkeit sind dabei die Zeichen, die am häufigsten zu spät erkannt werden – sie können auf eine Bedrängung des Rückenmarks hinweisen.

Woher der Schmerz kommt

Die häufigste Form ist der Nackenschmerz ohne fassbaren Schaden: Muskeln, kleine Wirbelgelenke und Faszien arbeiten nicht mehr richtig zusammen, meist nach langer einseitiger Haltung und ohne ausgleichende Bewegung. Bildschirmarbeit, Telefonieren mit dem Kopf zwischen Schulter und Ohr, Schlafhaltung, Stress.

Die zweite Form strahlt in den Arm aus. Wenn eine Nervenwurzel an der Halswirbelsäule bedrängt wird – durch einen Bandscheibenvorfall oder durch knöcherne Enge –, sitzt der Schmerz nicht im Nacken, sondern im Gebiet, das dieser Nerv versorgt: Schulter, Oberarm, Unterarm, einzelne Finger. Oft kommen Taubheit oder Kribbeln hinzu.

Die dritte Form geht nach oben. Kopfschmerzen, die vom Nacken ausgehen, sind häufig und werden regelmäßig als Migräne oder Spannungskopfschmerz behandelt, ohne dass jemand den Nacken untersucht hat.

Und wie am unteren Rücken gilt: Wenn Beschwerden über Monate bestehen oder immer wiederkehren, beginnt das Schmerzsystem selbst eine Rolle zu spielen. Die Dreiteilung, nach der wir dabei vorgehen, haben wir für den Rücken ausführlich beschrieben; sie gilt für den Nacken genauso.

→ Die drei Ursachengruppen bei Wirbelsäulenschmerz – ausführlich auf der Seite Rückenschmerzen

Was ein Bild dazu beiträgt

Meist wenig, jedenfalls am Anfang. Verschleiß an der Halswirbelsäule ist ab einem gewissen Alter der Normalfall und bei sehr vielen Menschen ohne jede Beschwerde zu finden. Ein Bild ist sinnvoll bei Warnzeichen, bei Ausstrahlung in den Arm mit neurologischen Ausfällen, und wenn die Beschwerden trotz Behandlung anhalten – also dann, wenn es eine Frage gibt, die das Bild beantwortet.

Was wir tun

Am Anfang steht die Untersuchung mit den Händen: Wo genau ist die Beweglichkeit eingeschränkt, welche Muskeln sind beteiligt, reicht die Störung über den Nacken hinaus? Danach richtet sich die Behandlung.

Bei einer Funktionsstörung behandeln wir manuell und zeigen Ihnen Übungen, die das Ergebnis halten. Ein Hinweis dazu, den wir nicht verschweigen: An der Halswirbelsäule gehen wir mit Manipulationen zurückhaltend vor und bevorzugen sanftere Techniken – warum, steht auf der Seite zur Manuellen Therapie.

→ Manuelle Therapie und Chirotherapie

Bei ausstrahlendem Schmerz durch eine gereizte Nervenwurzel kommt eine gezielte Injektion an der Halswirbelsäule infrage, unter Röntgenkontrolle. Bei uns ist sie eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen.

→ PRT – röntgengestützte Spritzen an der Wirbelsäule

Bei chronischen Verläufen und bei Kopfschmerzen, die vom Nacken ausgehen, kann die Akupunktur helfen.

→ Akupunktur

Und über allem steht das, was am wenigsten spektakulär und am besten belegt ist: Bewegung. Ein Nacken, der den ganzen Tag in derselben Stellung gehalten wird, braucht keine Behandlung, sondern Abwechslung – und eine Muskulatur, die den Kopf trägt, statt ihn zu verspannen.

Nach einem Schleudertrauma

Nach einem Auffahrunfall ist die Sorge groß und die Versuchung, den Hals ruhigzustellen, ebenfalls. Eine Halskrause über Tage ist heute überholt: Wer sich früh wieder bewegt, hat nachweislich den besseren Verlauf. Wichtig sind eine ordentliche Untersuchung, die Aufklärung darüber, was zu erwarten ist, und eine Schmerzbehandlung, die Bewegung ermöglicht.

Häufige Fragen

Kommt mein Kopfschmerz vom Nacken?

Möglich. Typisch ist ein Schmerz, der einseitig vom Hinterkopf nach vorne zieht, sich durch bestimmte Kopfhaltungen verändert und mit einer eingeschränkten Beweglichkeit einhergeht. Das gehört untersucht, bevor man es als Spannungskopfschmerz behandelt.

Und Schwindel?

Der Zusammenhang zwischen Nacken und Schwindel wird fachlich kontrovers diskutiert. Wir schließen deshalb zuerst die anderen, wichtigeren Ursachen aus, statt vorschnell den Nacken verantwortlich zu machen.

Brauche ich ein besseres Kissen?

Es kann helfen, wenn Sie morgens schlechter aufwachen als Sie eingeschlafen sind. Es ersetzt nicht, was tagsüber fehlt.

Ich arbeite am Bildschirm. Was hilft wirklich?

Weniger die perfekte Haltung als der Wechsel. Die beste Sitzposition ist die nächste. Kurze, regelmäßige Unterbrechungen bringen mehr als eine teure Stuhlanpassung.

Sollte ich mich massieren lassen?

Als Begleitung zu aktiver Bewegung gern. Als alleinige Behandlung wirkt sie kurz und ändert nichts an der Ursache.

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