ACP: Die eigene Heilung anstoßen

Bei Verletzungen und Erkrankungen von Gelenken, Muskeln, Sehnen oder Bändern kann es hilfreich sein, die körpereigene Heilung anzuregen. Dafür lassen sich die Wachstumsfaktoren und Reparatur-Signalstoffe nutzen, die Sie ohnehin im Blut haben.
Der Weg dorthin ist unspektakulär: eine normale Blutentnahme. Aus dem Blut wird das plättchenreiche Plasma gewonnen und anschließend in das erkrankte Gewebe gespritzt.
Die Abkürzungen, die Ihnen dabei begegnen: PRP steht für plättchenreiches Plasma, ACP® für autologes konditioniertes Plasma der Firma Arthrex.
Was kostet die Eigenbluttherapie?
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Behandlung nicht. Auch private Krankenversicherungen lehnen eine Kostenübernahme teilweise ab — klären Sie das bitte vorher mit Ihrer Versicherung.
Es handelt sich damit um eine individuelle Gesundheitsleistung, die Sie selbst tragen. Wir rechnen nach der Gebührenordnung für Ärzte ab. Je Injektion fallen 200 € an (Stand September 2026). Üblich ist eine Serie von drei Injektionen.
Wobei wir ACP einsetzen
Arthrose, vor allem des Kniegelenks
Tennisarm (Epikondylitis)
Fersensporn und Plantarfasziitis
Achillessehnenschmerz (Achillodynie)
Verletzungen der Rotatorenmanschette
Länger bestehende Beschwerden von Sehnen, Faszien und Bändern
Im Leistungssport ist das Verfahren seit Längerem verbreitet: Verletzte Sportler sollen damit schneller wieder ins Training und zum vollen Einsatz kommen.
Wie eine Behandlung abläuft

Wir nehmen Ihnen Blut ab wie bei einer gewöhnlichen Blutentnahme. In einer Zentrifuge wird daraus das plättchenreiche Plasma gewonnen — das dauert wenige Minuten, Sie bleiben so lange bei uns. Anschließend spritzen wir das Plasma in das betroffene Gelenk oder an die betroffene Sehne. Je nach Zielgewebe erfolgt hierbei eine Kontrolle der Nadellage durch Ultraschall oder Röntgendurchleuchtung.
Üblicherweise werden drei Injektionen im Abstand von einer Woche durchgeführt. Eine Beschwerdelinderung stellt sich oft erst nach einigen Wochen ein, da die angekurbelten Selbstheilungskräfte Ihres Körpers ersteinmal arbeiten müssen. Nach vier bis sechs Wochen kontrolliert man das Ergebnis und kann ggf. noch ein oder zwei Injektionen zur Effektverbesserung hinzufügen.
Wenn ein Effekt eingetreten ist, kann es im Verlauf ausreichen, wenn man zum Beispiel alle halbe Jahre eine Boost-Injektion zur Aufrechterhaltung der Wirkung durchführt. Dies werden wir individuell mit Ihnen besprechen.
Nebenwirkungen
Die Rate an Nebenwirkungen ist gering. Die Infektionsgefahr entspricht der einer Blutentnahme oder einer anderen Spritze. Da keine Zusatzstoffe oder Medikamente verwendet werden, sind keine Reaktionen auf Fremdstoffe zu erwarten.
Nach der Injektion kann der Schmerz zunächst zunehmen. Das liegt an der Heilentzündung, die wir auslösen wollen — sie macht die Nerven vorübergehend empfindlicher. Weitere relevante Probleme sind bislang kaum berichtet worden.
Verglichen mit den möglichen Nebenwirkungen von Schmerzmedikamenten oder wiederholten Kortisongaben ist das Verfahren deutlich weniger belastend. Das ist für uns eines der wesentlichen Argumente.
Was die Studien zeigen – und was dagegen spricht
Hier wollen wir nicht um den heißen Brei herumreden, denn Sie bezahlen diese Behandlung selbst.
Was dafür spricht
Für die Kniearthrose gibt es systematische Übersichtsarbeiten, die einen Nutzen von PRP-Injektionen zeigen; in einzelnen Vergleichsstudien schnitt PRP besser ab als Hyaluronsäure oder Kortison. Für Achillessehnenbeschwerden und Muskelverletzungen liegen ebenfalls positive Fallserien und Übersichten vor. Die Literatur am Ende dieser Seite nennt die Arbeiten.
Was dagegen spricht
Der IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes bewertet die Eigenbluttherapie bei Sehnenerkrankungen als „tendenziell negativ”. Begründung: Aussagekräftige Studien zeigten, dass das Verfahren gleich gut oder schlechter wirke als andere Behandlungen, und beim Aufbereiten des Blutes seien Verunreinigungen grundsätzlich möglich.
Diese Bewertung stammt von 2012, wurde 2014 zuletzt aktualisiert und befindet sich laut IGeL-Monitor derzeit in Überarbeitung.
Wie wir das einordnen
Wir halten die Kritik nicht für unbegründet — die Studienlage ist uneinheitlich, und ein Teil der älteren Arbeiten ist methodisch schwach. Ein wesentlicher Teil der Forschung zur Kniearthrose ist allerdings nach 2014 erschienen und in jener Bewertung nicht enthalten.
Unsere Haltung: Das Verfahren ist eine Option, kein Durchbruch. Es ist gut verträglich, es kann helfen, und es ersetzt weder Bewegung noch Muskelaufbau noch die Behandlung der Ursache. Wer eine Garantie sucht, ist hier falsch. Wer eine nebenwirkungsarme Möglichkeit sucht, bevor über eine Operation gesprochen wird, ist richtig.
Wenn Sie mehr wissen möchten, lesen Sie die Einschätzung des IGeL-Monitors selbst und sprechen Sie uns darauf an. Uns ist eine Entscheidung lieber, die Sie mit beiden Seiten im Kopf treffen.
Wo diese Behandlung in unserem Plan steht
ACP ist bei uns nie der erste Schritt und nie der einzige. Zuerst wird ausgeschöpft, was gesichert und von der Kasse getragen ist. Erst wenn davon nichts mehr übrig ist und die Beschwerden geblieben sind, sprechen wir über eine Selbstzahlerleistung.
Und auch dann gilt: Eine Spritze ohne Bewegungstherapie ist herausgeworfenes Geld. ACP ist Teil eines Behandlungsplans — oder es findet bei uns nicht statt. Unter welchen Bedingungen wir Selbstzahlerleistungen überhaupt anbieten, woran wir den Erfolg messen und wann wir aufhören, steht auf einer eigenen Seite.
Wann wir davon abraten
Wenn Ihre Beschwerden eine Ursache haben, die sich anders beheben lässt — eine Fehlbelastung, eine Muskelschwäche, ein ungeeigneter Schuh —, dann gehört die zuerst angegangen. Sonst zahlen Sie für eine Reparatur an etwas, das weiter beschädigt wird.
Bei einer weit fortgeschrittenen Arthrose mit aufgebrauchtem Knorpel sind die Erwartungen zu dämpfen; hier geht es allenfalls um Linderung, nicht um Aufbau.
Und wenn Sie die Kosten spürbar belasten, sagen wir Ihnen das offen: Es gibt Kassenleistungen, die zuerst ausgeschöpft gehören.
ACP oder Hyaluronsäure?
Beide werden ins Gelenk gespritzt, beide sind Selbstzahlerleistungen, und beide werden oft in einem Atemzug genannt — sie wirken aber unterschiedlich.
Hyaluronsäure ersetzt einen Bestandteil der Gelenkflüssigkeit. Sie verbessert die Gleitfähigkeit und wirkt eher mechanisch.
ACP bringt körpereigene Signalstoffe ein und zielt auf die Heilungsreaktion des Gewebes.
Welches Verfahren für Sie infrage kommt — oder ob überhaupt eines —, hängt vom Gelenk, vom Stadium und von Ihrem Befund ab. Wir entscheiden das nicht am Preis und nicht am Katalog, sondern nach der Untersuchung.
Häufige Fragen
Tut die Behandlung weh?
Die Blutentnahme wie jede Blutentnahme. Die Injektion ist je nach Gelenk unterschiedlich unangenehm. In den Tagen danach kann der Schmerz vorübergehend zunehmen — das ist erwartbar und geht vorüber.
Wie schnell wirkt ACP?
Nicht sofort. Der Körper braucht Zeit für die Reparatur, die wir anstoßen. Rechnen Sie mit mehreren Wochen nach Abschluss der Serie.
Kann ich danach Sport machen?
In den ersten Tagen sollten Sie das behandelte Gelenk oder die Sehne schonen. Danach ist Bewegung nicht nur erlaubt, sondern Teil der Behandlung.
Ist das dasselbe wie eine Kortisonspritze?
Nein, eher das Gegenteil. Kortison dämpft die Entzündung. ACP löst eine Heilentzündung bewusst aus. Deshalb lassen sich die beiden auch nicht beliebig kombinieren — wir besprechen die Reihenfolge mit Ihnen.
Muss ich nüchtern kommen?
Nein.
Literatur
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Cerza F, et al.: Comparison Between Hyaluronic Acid and Platelet-Rich Plasma, Intra-articular Infiltration in the Treatment of Gonarthrosis. The American Journal of Sports Medicine 2012
Sheth U, et al.: Does Platelet-Rich Plasma Lead to Earlier Return to Sport When Compared With Conservative Treatment in Acute Muscle Injuries? A Systematic Review and Meta-analysis. Arthroscopy 2018; 34(1): 281–288
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Mishra A, Harmon K, Woodall J, Vieira A: Sports Medicine Applications of Platelet Rich Plasma. Curr Pharm Biotechnol 2012; 13: 1185–1195
Cashin AG, et al.: Pharmacological treatments for low back pain in adults: an overview of Cochrane Reviews. Cochrane Database of Systematic Reviews 2023; CD013815
Brox JI, et al.: No difference in 9-year outcome in CLBP patients randomized to lumbar fusion versus cognitive intervention and exercises. European Spine Journal 2012
IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes: Eigenbluttherapie bei Tendinopathie, Bewertung von 2012, zuletzt aktualisiert 2014, derzeit in Überarbeitung
