Sehnenschmerz: warum Sehnen anders heilen

Fersensporn

Sehnenbeschwerden folgen anderen Regeln als fast alles andere in der Orthopädie. Was bei einer frischen Verletzung richtig ist – schonen, ruhigstellen, abwarten –, ist hier der sicherste Weg in einen Verlauf über Jahre.

Diese Seite erklärt, warum das so ist und wie eine Sehne tatsächlich wieder belastbar wird. Sie gilt für Achillessehne, Tennis- und Golferellenbogen, Fersensporn, das Kniescheibenspitzensyndrom und die Sehnen der Rotatorenmanschette gleichermaßen – die Beschwerdebilder sind verschieden, das Prinzip ist dasselbe.

Warum Sehnen so langsam heilen

Sehnen und ihre Verankerungen am Knochen sind ein sehr straffes, leicht elastisches Bindegewebe. Sie stehen unter dauerndem Zug – und genau das schließt eine Versorgung über Blutgefäße weitgehend aus, weil diese unter Spannung zugedrückt wären.

Die Sehne ernährt sich deshalb anders: über einen Pumpeffekt, der beim wiederholten Be- und Entlasten entsteht. Bewegung ist bei einer Sehne keine Belastung, die man ihr zumutet. Bewegung ist ihre Ernährung.

Daraus folgt beides: Sehnen regenerieren langsam, und sie brauchen dafür täglich Bewegung.

Der Teufelskreis

Bei ständiger Überlastung – oder bei zu langer Schonung – kommt es in der Sehne zu Umbauprozessen. Sie verliert an Elastizität, die Fasern verfestigen sich, betroffene Bereiche verdicken sich manchmal sicht- und tastbar. Eine so veränderte Sehne ist rascher überlastet, und es entstehen Schmerzen.

Der naheliegende Reflex ist dann, die Sehne zu schonen. Damit wird sie schlechter ernährt und baut weiter ab. Beim nächsten Mal treten die Beschwerden früher auf, bei geringerer Belastung. Wer diesem Reflex folgt, dreht sich im Kreis – und der Kreis wird enger.

Schonung ist deshalb nur kurz sinnvoll, bei einer akuten Überlastung. Danach braucht die Sehne wieder Bewegung, und zwar gut dosierte.

Die vier Regeln

Keine Schonung

Eine vollständige Ruhigstellung über zwei Wochen schwächt eine Sehne deutlich: Die Zugfestigkeit sinkt, der zugehörige Muskel verliert Kraft, und der Bewegungsablauf der ganzen Muskelkette gerät durcheinander – weshalb dann auch andernorts Beschwerden entstehen können.

Belastung ist die Behandlung

Nur ausreichende, wiederholte Belastung heilt eine Sehne. Sehnen sind stark und fest; damit überhaupt ein Heilungsreiz entsteht, braucht es viel Belastung. Für jede Sehne gibt es dafür gezielte Übungen. Sie wirken nur, wenn sie regelmäßig durchgeführt werden.

Das Ampelschema

Weil Schmerz bei einer gestörten Sehne schon bei leichter Belastung auftritt, lässt sich eine ausreichende Belastung meist nicht ohne ein gewisses Maß an Schmerz erreichen. Das ist ungewohnt: Schmerz ist ein Schutzsystem und hält uns zur Schonung an. Nur wird die Sehne durch Schonung eben nicht heilen.

Damit Sie trotzdem sicher trainieren, gibt es eine einfache Regel:

Grün – keine Beschwerden während der Übung. Dann ist die Belastung zu gering und darf gesteigert werden.

Gelb – der Schmerz wird während der Übung mäßig stärker und ist spätestens am Folgetag wieder abgeklungen. Das ist das Trainingsziel.

Rot – der Schmerz nimmt während des Trainings deutlich zu oder hält am Folgetag noch an. Dann war es zu viel, und die Intensität muss herunter.

Aus einer gefundenen gelben Grenze wird im Verlauf eine grüne. Dann wird wieder gesteigert, bis es erneut gelb ist. So wächst die Belastbarkeit.

Durchhalten

In den ersten sechs Wochen spüren die meisten Menschen keine Verbesserung. Am Anfang wird es oft sogar schlechter – was in Ordnung ist, solange es im gelben Bereich bleibt. Erst danach wird es langsam, aber stetig besser. Eine Behandlungsdauer von drei bis sechs Monaten ist nicht ungewöhnlich.

Das ist der Punkt, an dem die meisten aufhören. Es ist auch der Punkt, an dem sich entscheidet, ob es funktioniert.

Wenn Sie doch in den roten Bereich geraten

Das wird passieren, besonders am Anfang, und es ist kein Rückschlag. Ziel ist dann, die Sehne wieder zu beruhigen – ohne die Bewegung einzustellen, sonst verlieren Sie den mühsam erarbeiteten Fortschritt gleich wieder.

Reduzieren Sie die Belastung vorübergehend auf etwa die Hälfte. Sobald der Schmerz nachlässt, steigern Sie wieder schrittweise. Kühlung, Hochlagerung und bei Bedarf ein Schmerzmittel unterstützen das.

Wenn das Training am Schmerz scheitert

Manchmal sind die Schmerzen so stark oder die Belastungsgrenze so niedrig, dass sich kaum sinnvoll üben lässt. Dann geht es zuerst darum, dieses Fenster zu öffnen.

Die Akupunktur kann den Schmerz so weit senken, dass eine Übungsbehandlung möglich wird. Die Stoßwellentherapie und Injektionen mit körpereigenem Blutplasma zielen darauf, die Heilungsreaktion in der Sehne selbst anzustoßen.

Wichtig ist, wofür diese Verfahren da sind: Sie ersetzen das Training nicht, sie ermöglichen es. Ab einem gewissen Punkt kann nur aktives Training die Belastbarkeit einer Sehne steigern – Dehnung, Infiltrationen und Massage wirken vor allem am Anfang.

→ Stoßwellentherapie

→ ACP / Eigenbluttherapie (PRP)

→ Akupunktur

Die einzelnen Beschwerdebilder

Häufige Fragen

Darf ich mit Schmerzen trainieren?

Ja, im gelben Bereich: mäßig stärkerer Schmerz während der Übung, der bis zum Folgetag abgeklungen ist. Was darüber hinausgeht, ist zu viel.

Wie lange dauert das?

Erste Besserung meist nach sechs Wochen, die Behandlung insgesamt drei bis sechs Monate. Kürzer geht es bei einer Sehne selten.

Hilft eine Spritze schneller?

Kurzfristig manchmal. Nur verschiebt eine Spritze ohne anschließendes Training das Problem, sie löst es nicht. Kortison an einer Sehne ist zudem heikel: Es lindert kurzfristig gut und verschlechtert die Sehnenqualität langfristig.

Und wenn ich einfach aufhöre, die Bewegung zu machen, die weh tut?

Dann verschwindet der Schmerz, und die Sehne wird schwächer. Beim nächsten Anlass kommen die Beschwerden früher und stärker zurück als beim letzten Mal.

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